Dienstag, 05.06.2018
"wir"-Mitherausgebersitzung

Zukunft sichern

Um den Fortbestand des Familienunternehmens in der nächsten Generation sicherzustellen, braucht es vor allem die richtigen Strukturen – familiär wie gesellschaftsrechtlich. Das ist ein Ergebnis des Unternehmergesprächs der diesjährigen „wir“-Mitherausgebersitzung.
wir Magazin, Mitherausgeber, Mitherausgeber wir, Herausgeber faz, Bernard Broermann, Sandra Rothenberger, Rothenberger Helmut, Rothenberger Holding, Unternehmensnachfolge, Generationenwechsel, Mittelstand Magazin, faz, Gesellschafter

Bei der „wir“-Mitherausgebersitzung in der Villa Rothschild Kempinski in Königstein bei Frankfurt erklärte Dr. Bernard große Broermann, wie er sein Unternehmen in die Zukunft führt.

 

Foto: Dirk Beichert

Unternehmerfamilien sind gefordert. Täglich müssen sie sich mit diversen Fragen auseinandersetzen: über die Zukunftsstrategie des Unternehmens, die Entscheidungsfähigkeit der Gesellschafterfamilie und die Vermögensnachfolge. Welche Themenkomplexe in welcher Reihenfolge oder welcher Intensität angepackt werden, hängt von den Herausforderungen ab, die jede Familie für sich selbst und ihr Unternehmen priorisiert.

Welche Fragen sich mit Blick auf die Zukunft stellen, darüber sprach die „wir“-Redaktion aus dem F.A.Z.-Fachverlag bei ihrem jährlichen Treffen der Mitherausgeber, zu der auch drei Gesellschafter aus Unternehmerfamilien geladen waren: Gastgeber des Mitherausgebertreffens war Dr. Bernard große Broermann, Gründer und Inhaber der Asklepios-Kliniken und Inhaber der Dr. Broermann Hotels & Residences GmbH, zu der u.a. die Villa Rothschild Kempinski gehört. Weitere Gesprächsteilnehmer waren Dr. Helmut Rothenberger, Vorsitzender der Geschäftsleitung der Rothenberger Holding GmbH, und Dr. Sandra Rothenberger, Mitglied der Geschäftsleitung der Rothenberger Holding GmbH sowie 1. Vorsitzende der Tools for Life Foundation.

Mit den großen Fragen der Zukunft beschäftigt sich Helmut Rothenberger schon seit vielen Jahren. Als Folge der eigenen, persönlichen Familiengeschichte hat er sich reiflich überlegt, wie er seine beiden Töchter Sandra und Sabine in die Nachfolge führt. Er selbst ist mit drei Brüdern groß geworden, die sich, wie er, alle für das Unternehmen für Rohrwerkzeuge und Werkzeugmaschinen interessierten, das der Vater 1949 in Frankfurt am Main gegründet hatte. In den neunziger Jahren kam es zur Realteilung. Helmut Rothenberger möchte seine Holding, die heute mehr als 6.000 Mitarbeiter beschäftigt, auch in Zukunft zusammenhalten und langfristig vor Konflikten und Zugriffen von außen schützen. Daher hat er für die Nachfolge die Stiftungslösung gewählt – nach österreichischem Recht, den Sitz der Holding hat er nach Salzburg verlegt. „Ich wollte – bildlich gesprochen – dem Baum, also unserem Unternehmen, feste, starke Wurzeln geben und sichergehen, dass meine Nachfahren den Baum so nähren und pflegen, dass sie wiederum sicher sein können, dass die Ernte jedes Jahr reichhaltig sein wird.“

wir Magazin, Mitherausgeber, Mitherausgeber wir, Herausgeber faz, Bernard Broermann, Sandra Rothenberger, Rothenberger Helmut, Rothenberger Holding, Unternehmensnachfolge, Generationenwechsel, Mittelstand Magazin, faz, Gesellschafter

Geladener Gast für das Unternehmergespräch beim Treffen der Mitherausgeber des „wir“-Magazins: Dr. Helmut Rothenberger.

 

Foto: Dirk Beichert

Ein Bild, das auch Bernard große Broermann gut gefällt. Denn auch er möchte seine Firmen, die er selbst gegründet hat, vor „externen“ Faktoren schützen und sicher in die Zukunft führen. Vor allem die starke Regulierung des Gesundheitsmarktes fordert Broermann und seine Führungsmannschaft bei Asklepios – zweitgrößter Klinikbetreiber in Deutschland mit mehr als 46.000 Mitarbeitern und etwa 3,2 Milliarden Euro Umsatz – heraus. „In Deutschland werden Ärzte und Pflegekräfte schlecht bezahlt“, sagt Broermann. Vor allem der Pflegemarkt sei leergefegt. Wer gehe schon freiwillig in einen Beruf, in dem die Arbeitsbelastung so hoch sei, nicht aber das Gehalt? Die zweite große Herausforderung sieht Broermann in den Grenzen des Wachstums: In Deutschland stocke die Privatisierung im Gesundheitssystem, und die Kaufpreise von Kliniken seien sehr hoch, weil Wettbewerber wie Private-Equity-Gesellschaften den Markt aufmischten. „Wachstum ist aber notwendig, sonst überleben Firmen nicht“, sagt Broermann. Um seine Unternehmensaktivitäten transparenter und flexibler für neue Wachstumsmöglichkeiten aufzustellen, hat er zu Beginn dieses Jahres eine neue Gruppenstruktur geschaffen. Unter der Broermann Holding sind nun die Firmen der Gesundheits- und Hotelbranche als rechtlich unabhängige Einheiten aufgehängt. Auch die Investments in die Start-up-Szene und in Wohnimmobilien für die Klinikmitarbeiter finden sich in dieser neuen Struktur wieder.

 

Die optimale Struktur hat Helmut Rothenberger in der Stiftung gefunden, weil er überzeugt ist, dass Führung und Eigentum getrennt werden sollten, je größer die Gesellschafterfamilie wird. Das musste er freilich seinen Töchtern erklären. „Anfangs haben wir das nicht ganz verstanden, wir waren ja noch jünger, als unser Vater uns in diese Thematik einführte“, erinnert sich Sandra Rothenberger. „Aber wir haben darauf vertraut, dass er schon das Richtige tun wird. Obwohl wir physisch dem Unternehmen fern waren, fühlten wir uns dennoch immer nah.“ Schon längst sind Sandra Rothenberger und ihre Schwester Sabine in die Stiftungsstruktur und in die Verantwortung hineingewachsen. Als Mitglieder der Geschäftsleitung sind sie an allen strategischen Entscheidungen der Rothenberger Holding beteiligt.

wir Magazin, Mitherausgeber, Mitherausgeber wir, Herausgeber faz, Bernard Broermann, Sandra Rothenberger, Rothenberger Helmut, Rothenberger Holding, Unternehmensnachfolge, Generationenwechsel, Mittelstand Magazin, faz, Gesellschafter

Trägt im Familienunternehmen schon längst Verantwortung: Dr. Sandra Rothenberger.

 

Foto: Dirk Beichert

Das Know-how und die Erfahrung bringen sie mit: Sandra hat Betriebswirtschaft studiert, Sabine Jura. Beide haben promoviert. Und beide bewegen sich sicher auf internationalem Parkett. Eine Tochter lebt in Italien, die andere in Belgien, verheiratet mit einem Italiener bzw. einem Belgier. „Unser Steuerberater hat nur noch den Kopf geschüttelt“, lacht Helmut Rothenberger. „Wie soll das nur in der nächsten Generation werden? Auch vor diesem Hintergrund bin ich glücklich mit der Stiftungslösung.“

 

Familien- und Strategietage finden regelmäßig statt. „Da sind wir nicht immer alle derselben Meinung. Aber in der respektvollen und sachlichen Auseinandersetzung miteinander sind wir bisher immer zu guten Lösungen gekommen“, sagt Sandra Rothenberger. Ihr Vater lässt diese Workshop- und Seminartage bewusst von einem Familienexternen moderieren. „Um Neutralität und Disziplin zu wahren, fair miteinander umzugehen und Ergebnisse professionell festzuhalten.“

 

Es ist aber nicht so, dass Helmut Rothenberger sich nur mit Familienthemen beschäftigt. Gerade ist er zurückgekehrt aus Boston, wo er einige Tage an der Harvard Business School an Seminaren teilgenommen hat. Neue Impulse gibt er gern an das Management weiter. Und dann beginnt er von China zu sprechen. „So viele junge motivierte Menschen! Schauen Sie sich all die hungrigen Ingenieure an! Ich bin mir nicht sicher, ob wir bald noch zu den stärksten Wirtschaftsnationen gehören werden. Wir müssen uns gehörig anstrengen“, sagt Rothenberger. Auch Broermann ist skeptisch. Der Vormarsch einzelner Länder mit zunehmend nationalistischem Denken, populistische Entscheidungen in der Gesundheitsbranche – das lässt auch ihn in einigen Bereichen nicht gerade optimistisch in die Zukunft blicken

wir Magazin, Mitherausgeber, Mitherausgeber wir, Herausgeber faz, Bernard Broermann, Sandra Rothenberger, Rothenberger Helmut, Rothenberger Holding, Unternehmensnachfolge, Generationenwechsel, Mittelstand Magazin, faz, Gesellschafter

„wir“-Mitherausgeber zu Gast in der Villa Rothschild Kempinski in Königstein bei Frankfurt am Main.

 

Foto: Dirk Beichert