Freitag, 05.07.2019
VDMA-Präsident Carl Martin Welcker

Für den Freihandel

Carl Martin Welcker, Geschäftsführender Gesellschafter der Alfred Schütte GmbH & Co. KG, kämpft als VDMA-Präsident für eine liberale Wirtschaftsordnung und gegen die Bürokratie.
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Engagiert sich seit Jahren für den Verband Deutscher Maschinen- und Anlagenbau: Carl Martin Welcker.

 

Foto: VDMA

Herr Welcker, als operativ verantwortlicher Familienunternehmer haben Sie viel zu tun. Woher nehmen Sie sich die Zeit, für den VDMA aktiv zu sein?

Unsere Geschäftsführung ist so aufgestellt, dass sie ohne weiteres auf mich verzichten kann, wenn ich für den VDMA unterwegs bin zu Sitzungen oder Konferenzen. Und meine Mitgesellschafter des Unternehmens, meine beiden Schwestern, die einen anderen Berufsweg eingeschlagen haben, halten mir hier auch den Rücken frei.

Was reizt Sie an der Aufgabe des VDMA-Präsidenten?

Ich habe mich schon immer für Volkswirtschaft interessiert, mein Herz schlägt für ordnungspolitische Fragen. Unsere liberale Wirtschaftsordnung ist sehr stark unter Druck geraten. In Deutschland sehen wir staatliche, zum Teil politisch motivierte Eingriffe bei diversen Themen, zum Beispiel bei Solar, Batterie oder Kohle. Die Säulen unserer Ordnungspolitik – die Garantie von Wettbewerb, Freiheit und Eigentum – stehen zwar fest, aber sie müssen immer wieder aufs Neue verteidigt werden. Nicht nur auf deutscher, europäischer, sondern auch auf globaler Ebene.

Was treibt die deutschen Maschinenbauer derzeit am meisten um? Die Angriffe auf den Freihandel?

Ja, das ist natürlich ein großes Thema. Wenn Abnehmermärkte der deutschen Maschinenbauer in Teilen durch Embargos, Zölle oder andere Handelsschranken mehr oder weniger über Nacht wegbrechen, ist das ein Problem. Aber es gibt auch im tagtäglichen Geschäft zu viele Barrieren im Außenhandel.

Wie arbeitet der VDMA dagegen an?

Wir sind in engem Austausch mit Regierungsvertretern und diskutieren zum Beispiel über die Vereinfachung der Hermes-Deckungsverfahren, die Beschleunigung der Prozesse bei Exportkontrolle und Zoll oder eben über Möglichkeiten, um besser auf extraterritoriale Sanktionen zu reagieren. Wir wissen aber auch sehr genau, mit welchen bürokratischen Hürden sich VDMA-Mitglieder auseinandersetzen müssen. Es gibt zu viele Vorschriften, die Prozesse lähmen. Forschung & Entwicklung, Infrastruktur, Ausbildung und Normung sind Teilbereiche, die hiervon betroffen sind.

Info

Carl Martin Welcker

In vierter Generation führt Carl Martin Welcker als Geschäftsführender Gesellschafter die 1880 gegründete Alfred H. Schütte GmbH & Co. KG mit Sitz in Köln. Der international agierende Hersteller von Werkzeugmaschinen beschäftigt weltweit etwa 600 Mitarbeiter. Seit 2001 engagiert sich Carl Martin Welcker beim VDMA. Er ist seit Ende 2016 Präsident des größten Verbands für Maschinen- und Anlagenbauer in Europa.

Das führt Sie immer wieder zu Gesprächen mit Politikern. Stoßen Sie dort auf offene Ohren oder Desinteresse?

Ich bin seit vielen Jahren für den VDMA aktiv, und ich habe gelernt, dass wir noch stärker die Nähe zur Politik suchen müssen. Politikerschelte, wie wir sie derzeit viel hören und sehen, lasse ich nicht gelten. Unsere Politiker sind weder naiv noch gedankenlos, sie schauen nur anders auf die Dinge und tragen auch eine andere Art der Verantwortung als wir Mittelständler. Beide Seiten müssten häufiger ihre Perspektive wechseln und sich aufeinander zubewegen. Und ihre eigenen Hausaufgaben machen, anstatt sich übereinander zu beschweren.

Welche Hausaufgaben erledigen Mittelständler nicht so, wie sie könnten?

Seit Jahrzehnten wissen wir um den Mangel an Fachkräften. Es gibt viele Firmen, die sich zu einem sehr guten Ausbildungsbetrieb entwickelt haben. Auch kann man daran arbeiten, Interesse bei den Mitarbeitern zu wecken, mehr Verantwortung zu übernehmen. Und mehr Vertrauen in die eigenen Leute zu haben. Wenn wir von jedem Einzelnen in unserer Gesellschaft verlangen, nicht immer nach dem Staat zu rufen, sobald ein vermeintlicher Mangel auftaucht, können wir Mittelständler auch nicht für alle Belange den Staat zur Verantwortung ziehen.

Was sind die wichtigsten Aufgaben, die der VDMA nun anpacken muss?

Wir sind mit mehr als 3.200 Mitgliedern der größte Industrieverband Europas. Gerade weil wir ordnungs- und handelspolitisch um den Freihandel kämpfen müssen, werden wir verstärkt den Austausch und das Netzwerk mit unseren europäischen Kollegen suchen. Jeder für sich allein wird nichts bewirken können. Nur gemeinsam auf europäischer Ebene können wir unsere Handelsbeziehungen zu den großen Märkten Brasilien, China, Indien und Russland stärken.