Mittwoch, 08.04.2020
ifo, DIHK und die Verbände

Die wichtigsten Umfragen zu Corona auf einen Blick

Das Coronavirus legt die deutsche Wirtschaft lahm. Viele Institutionen haben zur Einordnung der Lage Experten und Unternehmer befragt. Die wir-Redaktion fasst die wichtigsten Umfragen und Ergebnisse rund um Shutdown, Staatshilfen und Corona-Bonds zusammen.
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Durch Corona werden Online-Angebote nachgefragt wie lange nicht mehr. Gar nicht so einfach, bei allen Studien und Umfragen den Überblick zu behalten.

 

Foto: Revolu7ion93 / iStock / Getty Images Plus

Rekordhöhen, Rekordtiefen, nie dagewesene Zahlen – bei Zusammenfassungen der aktuellen wirtschaftlichen Lage kommen unweigerlich Superlative ins Spiel. Die Auslöser sind klar: Der wirtschaftliche Schaden, der mit dem angeordneten Kontaktverbot in Deutschland einhergeht, ist immens. Die Krise stellt alle vorhergehenden Abschwünge seit dem Zweiten Weltkrieg in den Schatten. Verbände und Wirtschaftsvertreter wollen die Situation durch etliche Umfragen verdeutlichen. 

Shutdown maximal 11 Wochen tragbar

Das Leibniz-Institut für Wirtschaftsforschung an der Universität München, kurz ifo Institut, hat im März das 28. Ökonomenpanel veröffentlicht. 155 Ökonomen gaben ihre Einschätzungen zu den wirtschaftspolitischen Maßnahmen in Deutschland und in Europa ab. Der ifo-Geschäftsklimaindex war zu diesem Zeitpunkt mit 86,1 Punkten bereits auf dem niedrigsten Niveau seit Juli 2009. Unter dem Eindruck des von der Bundesregierung am 22. März verhängten Kontaktverbots sankt der Index um 9,9 Prozentpunkten im Vergleich zum Vormonat. Das ist der stärkste Rückgang seit der Wiedervereinigung. Den ifo-Index gibt es seit 1972.

Das Ökonomenpanel wurde folglich befragt, wie lange der Shutdown dauern könne, bevor das Risiko einer wirtschaftlichen Destabilisierung zu groß werde. Die durchschnittliche Antwort war, dass mehr als 11 Wochen nicht durchhaltbar seien. Die Mehrheit der Befragten sprach sich allerdings für einen deutlich kürzeren Stillstand aus: 57 Prozent der Ökonomen halten einen Shutdown von rund acht Wochen für tragbar. Allerdings weist das ifo einschränkend darauf hin, dass eine seriöse Berechnung noch nicht möglich sei, da noch zu viele Unsicherheiten in Bezug auf zukünftige wirtschaftliche und politische Entwicklungen bestünden. 



Bei der Frage, wie Europa der Krise begegnen soll, fand sich unter den Wirtschaftsexperten keine Mehrheit für eine einmalige Schuldenaufnahme auf gesamteuropäischer Ebene, also sogenannte Corona-Bonds, Euro-Bond oder auch EU-Anleihen. 46 Prozent der Ökonomen halten die Anleihen für sinnvoll. 43 Prozent äußerten Skepsis aufgrund falscher Anreize wegen einer Vergemeinschaftung von Schulden. 



Hälfte der Wirtschaft spürt Auswirkungen bereits

Der Deutsche Industrie- und Handelskammertag (DIHK) befragte im vergangenen Monat mehr als 10.000 Betriebe in Deutschland zu den Auswirkungen der Corona-Krise. Die teilnehmenden Unternehmen verteilen sich bundesweit über alle Branchen und Regionen. 

Knapp mehr als die Hälfte der deutschen Unternehmen spüren bereits Auswirkungen der Krise im Alltag. Am stärksten betroffen sind die Reisewirtschaft (87 Prozent) und das Gastgewerbe (79 Prozent). Konkret zeige sich das laut Umfrage vor allem durch die Absage von Messen oder Veranstaltungen. Davon sind knapp vier von zehn Unternehmen betroffen. Circa ein Drittel der Befragten spürt die Corona-Krise durch gesundheitliche Ausfälle von Mitarbeitern, und ebenfalls ein Drittel konstatiert weniger Nachfrage nach Produkten und Dienstleistungen. Die Studie zeigt allerdings auch, dass beispielsweise das Baugewerbe mit 20 Prozent bis dato sehr geringe Auswirkungen spürt.



Was erwarten die deutschen Unternehmen vom Geschäftsjahr 2020 mit Blick auf den Umsatz? Fast die Hälfte der Befragten plant bereits mit schwächeren Zahlen. 27 Prozent gehen von einem erheblichen Rückgang von mehr als 10 Prozent Umsatz aus. Jedes fünfte Unternehmen plant mit einer Verringerung von bis zu 10 Prozent. Ein Viertel rechnet mit keiner Veränderung beim Gesamtwert abgesetzter Waren und erbrachter Leistungen. 27 Prozent können noch keine Einschätzung abgeben. 

Nur ein Fünftel der Familienunternehmen hält ein Jahr durch

1.465 Mitglieder der Verbände DIE FAMILIENUNTERNEHMER und DIE JUNGEN UNTERNEHMER äußerten sich zwischen dem 24. und dem 27. März zur Zukunft der Familienunternehmen. Hierbei zeigte sich, dass Anträge für finanzielle Hilfestellungen zum Zeitpunkt der Umfrage wenig genehmigt wurden. 

Auf die Frage, ob Unternehmen Kurzarbeitergeld beantragen, sagten 31 Prozent, dass sie das seit 1. März bereits getan haben. Ein weiteres Drittel der Familienunternehmen plante, bis Anfang April diesen Weg gehen zu wollen. Von den Anträgen, die bereits eingingen, wurden lediglich ein Fünftel genehmigt. Ein ähnliches Bild zeigt sich bei den Krediten: Hier sagten lediglich 8 Prozent der Familienunternehmer, dass sie seit März befristet zur Verfügung gestellte Geldwerte in Anspruch nehmen. Von allen Anträgen wurden allerdings zum Zeitpunkt der Umfrage nur knapp einem Viertel stattgegeben. Weitere 25 Prozent der Familienunternehmen planten, bis zum 3. April einen Kredit zu beantragen. 



Laut der Befragung haben zwei Drittel der familiengeführten Unternehmen in Deutschland angesichts der Krise noch keinen Kredit beantragt. Es stellt sich die Frage: Wie lange reicht die Liquidität während eines Shutdowns? Die Umfrage der Verbände legt nah, dass knapp sechs von zehn Unternehmen unter jetzigen Bedingungen nicht länger als drei Monate Zahlungsverpflichtungen fristgerecht erfüllen können. Nur ein Fünftel der befragten Familienunternehmen – ihrem Ruf nach immer darum bemüht, langfristig aufgestellt zu sein – sieht eine Chance, mit den bereits vorhandenen finanziellen Mitteln ein Jahr lang weiter liquide zu bleiben.