Freitag, 01.06.2018
Gastbeitrag von Kathrin Eichler und Norbert Schulze Bornefeld

Zeitenwende im Börsenzyklus: „Goldilocks“-Ära ist vorbei

Die Phase des billigen Geldes, der moderaten Inflation und der dynamischen Wachstumsraten neigt sich dem Ende zu. Das liquide Vermögen muss neu ausgerichtet werden. Aber wie?
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Foto: retrorocket/iStock/Thinkstock/GettyImages

Ein großer Teil des Vermögens in Deutschland entstammt unternehmerischen Ursprungs. Oft macht das Unternehmen einen Großteil des Familienvermögens aus, und es ist gut und richtig, dass die unternehmerische Verantwortung mit einer angemessenen Rendite entlohnt wird.

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Kathrin Eichler ist Geschäftsführerin der Eichler & Mehlert GmbH, Düsseldorf.

 

Foto: Eichler & Mehlert

Aus Portfoliosicht stellt das Unternehmen aber ein nur sehr eingeschränkt liquides „Klumpenrisiko“ dar, und so ist es absolut notwendig und folgerichtig, wenn ein Unternehmer darüber hinaus sein Vermögen in Wertpapieren und Immobilienanlagen breit diversifiziert. Sehr häufig findet man vermeintlich konservativ ausgerichtete Portfoliovarianten vor, die ein bewusstes Gegenwicht zum unternehmerischen Risiko darstellen. Dies gilt im besonderen Maße für die Mittel, die als strategische Liquiditätsreserve im Unternehmen selbst gehalten werden.

 

 

Wider die Wertvernichtung

In Zeiten von Strafzinsen und milliardenschwerer Kaufprogramme der Notenbanken sind positive Renditen mit sehr sicherheitsorientierten Anlagen nicht mehr realisierbar. Berücksichtigt man richtigerweise noch die Inflationsrate, wird sogar aktiv Wert vernichtet. Für Unternehmer- und Firmenvermögen wurden daher in den vergangenen Jahren viele risikooptimierte Anlagekonzepte auf- und umgesetzt. Ob klassische Vermögensverwaltung oder individuell ausgestaltete (Spezial-)Fondslösung – viele dieser Konzepte profitierten von der ungebremsten Geldflut der Notenbanken und der damit einhergehenden, zunehmend geringen Volatilität an den Märkten. Den Anlegern bescherten diese Investitionen sehr ordentliche Ergebnisse bei sehr geringen Kursschwankungen.

Geopolitische Unsicherheiten

Doch nichts ist so beständig wie der Wandel – und heute dominieren disruptive Veränderungen den Arbeitsalltag. Waren offene Märkte und ein freier Welthandel lange Zeit Garanten für ein dynamisches Wachstum der Weltwirtschaft, bedroht nun Protektionismus globale Lieferketten und Profite. Donald Trump sieht die USA nicht mehr in der Rolle des Hüters und Verteidigers westlicher Werte – weder politisch noch militärisch noch wirtschaftlich. Dies und der wachsende Machtanspruch Chinas werden zu tektonischen Veränderungen in der Welt führen.

 

Auch am Kapitalmarkt greift die Gewissheit um sich, das eine Zeitenwende längst begonnen hat. Die „Goldilocks“-Zeiten von immerwährend billigem Geld, dynamischen Wachstumsraten und moderater Inflation gehen zu Ende.

Wo besteht aktuell Handlungsbedarf?

Es ist sicherlich nicht hilfreich, sich in das Lager der „Crash-Propheten“ einreihen zu wollen. Geld wird zwar noch lange relativ billig bleiben, und gut aufgestellte Unternehmen werden auch in Zukunft sehr ordentliche Zahlen präsentieren. Aber: Die Flut hebt eben nicht mehr alle Boote, und man sollte sich sehr bewusst sein, das der Rückenwind der historisch einmaligen expansiven Geldpolitik der Zentralbanken nachlässt. Die „Kollateralschäden“ dieses Experiments werden immer deutlicher.

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Norbert Schulze Bornefeld ist Geschäftsführer der Eichler & Mehlert GmbH, Düsseldorf.

 

Foto: Eichler & Mehlert

Es ist jetzt Zeit für ein aktives Vermögensmanagement. Die klassische Buy-and-Hold-Strategie ist Geschichte. Dazu gehören eine aktive Durationsanpassung im Rentenbereich, eine wohlüberlegte Länder- und Branchenselektion auf der Aktienseite im volatilen Konjunkturumfeld, gepaart mit klugen Entscheidungen zum Kaufzeitpunkt, sowie ggf. ein aktives Währungsmanagement.

 

Vermögensinhaber können jetzt mehr denn je auf ihren unternehmerischen Sachverstand und nicht allein auf die Volatilität als Risikomaß vertrauen – statt auf bewährte Standardlösungen und historische „Track-Records“ aus der „Goldilocks“-Ära. Vermögensinhaber sollten nun selbst nach transparenten Antworten auf ihre individuellen Fragenstellungen suchen. Der Dialog mit einem Sparringspartner, der die unternehmerische Freiheit hat, auch kritische Sachverhalte offen an- und auszusprechen, ist notwendiger denn je. Denn einer zunehmend dynamischen und auch unberechenbaren Entwicklung an den Finanzmärkten kann nur mit flexiblen und anpassungsfähigen Anlagestrategien begegnet werden.