Freitag, 01.06.2018
Gastbeitrag von Dr. Alexander Koeberle-Schmid

Vermögensstrategie: getrennt oder gemeinsam?

Familien müssen entscheiden, ob sie das Unternehmens- und Familienvermögen zusammen managen möchten oder ob die Mitglieder es unabhängig voneinander verwalten. Welches sind die wichtigsten Aspekte für eine Entscheidungsgrundlage?

Inhaberfamilien wachsen, ihr Vermögen ebenfalls. War es zu Beginn ein Gründer mit einer Geschäftsidee und einem Unternehmen, sind es heute mehrere Gesellschafter mit mehreren Unternehmen und Vermögenswerten. Die Komplexität auf Unternehmens- und Vermögensseite nehmen zu, die unterschiedlichen Interessen der Gesellschafter auch.

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Dr. Alexander Koeberle-Schmid ist Partner von Koeberle-Schmid & Unger Family Business Advisors.

 

Foto: Koeberle-Schmid & Unger

Um die Entscheidung über ein gemeinsames oder getrenntes Vermögensmanagement zu treffen, ist es hilfreich, das Vermögen in Unternehmens-, Familien- und Privatvermögen aufzuteilen. Erst dann erhält die Familie einen Überblick über die Manövriermasse und kann entscheiden: Wem gehört was? Wer kümmert sich um was? Was machen wir gemeinsam, und was machen wir getrennt? Im Folgenden zeigen zwei Beispiele, wie diese Fragen beantwortet werden können.

 

Beispiel eins: Zwei Geschwister unter sechs Cousinen und Cousins übernehmen den Walzenhersteller. Ihre Bedingung für den Einsatz ist, dass sich der erwartete Erfolg nur in ihren eigenen Portemonnaies niederschlägt. Drei Cousinen sind im europäischen Ausland aufgewachsen und haben kaum Bezug zum Unternehmen. Sie sind froh, dass es Immobilien, Ländereien und Wälder gibt, deren Erträge ihnen ein gutes Leben ermöglichen. Dieses Familienvermögen wirft jährlich so viel ab, dass sie die dadurch entstehende Liquidität richtig gemanagt sehen wollen. Dafür vertrauen sie die Grundstücke und die liquiden Mittel einem Multi Family Office an. Der sechste Cousin will, nach Jahren der Tätigkeit bei einer Private-Equity-Firma, endlich selbst investieren und lässt sich deshalb ausbezahlen.

 

Beispiel zwei: Der Firmengründer ist vor einem Jahr verstorben. Er hat seine vier Kinder mit dem gleichen Anteil am Gesamtvermögen bedacht. Dieses besteht aus zwei Unternehmen, einem umfangreichen Depot, Immobilien, zwei Ferienhäusern und zahlreichen Gemälden. Die vier Geschwister bilden eine Erbengemeinschaft. Sie entscheiden sich zusammenzubleiben und strukturieren ihr Vermögen, indem sie eine Familienholding gründen. Darunter hängen die beiden Unternehmen, deren Management sie über einen Beirat kontrollieren. Zudem entscheiden sie sich, das Familienvermögen (Depot, Immobilen, Ferienhäuser, Gemälde) professionell und unabhängig zu managen. Dafür installieren sie ein Single Family Office unter der Familienholding. Allerdings wird darin nicht das komplette Vermögen eingebracht, denn jedes der vier Geschwister möchte auch sein Privatvermögen mehren. Deshalb werden ein Teil der Immobilien und des Depotvermögens gerecht verteilt.

Zahlreiche Entscheidungen treffen

Wenn einmal das Gesamtvermögen differenziert analysiert und über die Vermögensstrategie entschieden wurde, gibt es eine Reihe von zusätzlichen Strategie- und Governance-Fragen.

 

Auf strategischer Ebene geht es um die sinnvolle Verteilung zwischen Unternehmens- und Familienvermögen. Vielleicht soll eines der Unternehmen verkauft und dessen Erlös dann nachhaltig angelegt werden? Dadurch könnte eine Risikodiversifikation erzielt werden, indem die liquiden Mittel auf verschiedene Anlageklassen verteilt werden. Weitere Fragen, die es zu klären gilt, sind: Soll das Familienvermögen in einem eigenen Family Office gemanagt werden, oder schließt man sich lieber einem Multi (Single) Family Office an? Welche Geschäftsvorgaben macht die Familie sowohl dem Unternehmen als auch dem Family Office? Auf welche Ziele und Werte verständigt man sich? Daran schließen sich eine Reihe von Governance-Fragen der Führung, Kontrolle, Information und Entscheidung an. Nicht vergessen werden dürfen familiäre Themen: Wie kann der Zusammenhalt gesichert und die Verbundenheit zu Unternehmen und Vermögen gestiftet werden?

 

Unternehmer, die sich Gedanken über die Vermögensübergabe an die nächste Generation machen, sollten diese Fragen schon heute antizipieren und gemeinsam mit der Juniorengeneration besprechen. Denn manchmal kann es passieren, dass zum Beispiel in einer Erbengemeinschaft, die zu Einstimmigkeit verdammt ist, keine gemeinsame Entscheidung getroffen werden kann. Das lähmt dann Unternehmen, Family Office und jeden Einzelnen und reduziert das Zusammengehörigkeits- und Verbundenheitsgefühl.

Checkliste für die Gesamtvermögensstrategie

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Quelle: Koeberle-Schmid & Unger Family Business Advisors