Donnerstag, 13.06.2019
Gastbeitrag von Dr. Claudia Klümpen-Neusel

Vermögensnachfolge mit der Familiengesellschaft

Vermögen auf die nächste Generation zu übertragen ist emotional nicht immer leicht. Auch die rechtliche Umsetzung hat ihre Tücken.
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Foto: retrorocket/iStock/ Getty Images Plus

Die meisten Vermögensinhaber wollen ihr Vermögen rechtzeitig an die nachfolgende Generation übertragen. Doch die Umsetzung scheitert nicht selten bereits daran, dass die vorhandenen Vermögenswerte nicht ohne weiteres teilbar sind. Besteht das Vermögen beispielsweise aus mehreren Immobilien und möchte der Vermögensinhaber diese frühzeitig gleichmäßig auf seine drei Kinder übertragen, ist es sehr unwahrscheinlich, dass sich die Grundstücke wertmäßig genau auf drei Köpfe aufteilen lassen. Wenn Benachteiligungen vermieden werden sollen, müsste der Vermögensinhaber die in Frage kommenden Immobilien jeweils zu Miteigentum auf seine Nachkommen übertragen. Hierzu wären so viele Rechtsakte erforderlich, wie Kinder und Immobilien vorhanden sind.

Bei Minderjährigkeit: Ergänzungspfleger

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Dr. Claudia Klümpen-Neusel ist Partnerin im Geschäftsbereich Private Finance und Tax bei der Warth & Klein Grant Thornton AG Wirtschaftsprüfungsgesellschaft.

 

Foto: Warth & Klein Grant Thornton

Sind die Kinder noch minderjährig, könnte für diesen unmittelbaren Immobilientransfer zudem noch die Hinzuziehung eines Ergänzungspflegers erforderlich sein, wenn es sich bei den Immobilien etwa um Mietobjekte handeln sollte. Ungeachtet der dadurch entstehenden Kosten wäre gegen diese Schenkung grundsätzlich nichts einzuwenden, wenn der Senior seinen Kindern das Immobilienvermögen auch zur freien Verfügung übertragen möchte. Die Kinder verfügten dann über sogenanntes Bruchteilseigentum, das frei veräußert, verschenkt oder belastet werden kann. Eine freie Verfügungsbefugnis ist jedoch nicht immer gewollt.

 

Ziel der Vermögensnachfolge ist es vielmehr, die nächste Generation frühzeitig an größere Vermögenswerte heranzuführen, den Einfluss auf diese Vermögenswerte jedoch nach wie vor dem Senior vorzubehalten. Nur so kann die ältere Generation den langfristigen Bestand des Vermögens innerhalb der Familie zumindest so lange gewährleisten, bis die jüngere Generation ein Verständnis für den Zusammenhang zwischen Familie und Vermögen entwickelt hat. Zudem widerspräche ein „Alles oder nichts“-Prinzip der Vorstellung des Seniors, die Kinder erst allmählich an den Umgang mit größerem Vermögen zu gewöhnen. Ein schrittweises Heranführen der nächsten Generation bedeutet nämlich auch die Verpflichtung der älteren Generation, die eigene Verantwortung für das Familienvermögen langsam zu reduzieren. 

Hinzu kommen natürlich auch emotionale Aspekte. So mag es dem Vermögensinhaber schwerfallen, die Vermögenswerte zu einem Zeitpunkt aus der Hand zu geben, zu dem er nicht absehen kann, ob er hierauf nicht doch noch in späteren Jahren angewiesen sein könnte.

Sowohl den Unwägbarkeiten bei der rechtlichen Umsetzung als auch dem Sicherheitsbedürfnis der älteren Generation kann mit Hilfe einer Familiengesellschaft Rechnung getragen werden. Sinn und Zweck einer Familiengesellschaft ist es, das familiäre Vermögen in einer gesellschaftsrechtlichen Struktur zu bündeln, es bestimmten Verfügungsbeschränkungen zu unterwerfen und der älteren Generation Leitungsfunktionen vorzubehalten. Letzteres kann insbesondere dadurch erreicht werden, dass dem Senior im Rahmen des Gesellschaftsvertrages Geschäftsführungsaufgaben zugewiesen werden.

Daneben sind oftmals gesellschaftsvertragliche Zustimmungserfordernisse für den Fall einer Übertragung von Gesellschaftsanteilen an Nicht-Familienmitglieder üblich. Dadurch würde die Verfügungsbefugnis der Kinder über den Gesellschaftsanteil und somit indirekt auch über das Gesellschaftsvermögen eingeschränkt. Flankierend können gesellschaftsvertragliche Regelungen Kündigungsrechte der Gesellschafter zeitlich beschränkt ausschließen.

Ein weiterer Vorteil der Familiengesellschaft besteht darin, das Vermögen mit Hilfe von Gesellschaftsanteilen in gewünschter „Stückelung“ verfügbar machen zu können. Während bei der Übertragung der Immobilien zu Bruchteilseigentum eine Übertragung an jeder einzelnen Immobilie erforderlich ist, kann dasselbe Vermögen in der Form einer Familiengesellschaft durch einen einzigen Rechtsakt – nämlich die Übertragung eines Gesellschaftsanteils – vollzogen werden.

Nießbrauch sorgt für Sicherheit

Dem Sicherheitsbedürfnis der älteren Generation könnte dadurch Rechnung getragen werden, dass der Senior sein Vermögen beispielsweise unter Nießbrauchvorbehalt auf die Familiengesellschaft überträgt oder sich ein Nießbrauchrecht an den Gesellschaftsanteilen der nächsten Generation vorbehält. Kombiniert mit Stimmrechtsvollmachten könnte der Senior somit Einfluss auf die Ausschüttungspolitik der Familiengesellschaft nehmen und käme in den Genuss der ausschüttungsfähigen Erträge.

 

Familiengesellschaften können sowohl als Kapital- als auch als Personengesellschaften errichtet werden. Der Inhalt der gesellschaftsvertraglichen Regelungen unterliegt – insbesondere im Falle einer GmbH oder einer Kommanditgesellschaft – weitestgehend der Privatautonomie, so dass mit diesem Gestaltungsmittel auf die individuellen Bedürfnisse des jeweiligen Familienverbundes eingegangen werden kann. Familiengesellschaften bilden daher ein gutes Instrument für eine gelungene Vermögensnachfolge.