Donnerstag, 13.06.2019
Gastbeitrag von Peter Fabry

Steuerliche Anforderungen beim Investieren in Private Equity

Vermögende Familien investieren immer häufiger in Private Equity und sind zunehmend auch als Co-Investoren gefragt. Wo liegen die Chancen und die Risiken, und welche steuerlichen Aspekte sind relevant?
Peter Fabry, Luther Rechtsanwaltsgesellschaft mbH, Luther Fabry, Private Equity, Investition Steuer, Abgeltungsteuer, Fund of Funds, Tax-Compliance, Rangrücktritte

Foto: retrorocket/iStock/ Getty Images Plus

Immer mehr Unternehmerfamilien investieren über eigene Family Offices. Bei ihren Investmentstrategien verlassen sie sich nicht nur auf klassische Anlagen oder Immobilien, sondern nehmen zunehmend die Anlageklasse Private Equity ins Visier.

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Peter Fabry ist Rechtsanwalt und Steuerberater sowie Partner bei der Luther Rechtsanwaltsgesellschaft mbH.

 

Foto: Luther

Das Umfeld für Private Equity ist in Europa derzeit weiterhin positiv. Aufgrund der niedrigen Zinsen und der stabilen Konjunktur sind aktuell günstige Finanzierungen für Unternehmenskäufe und Wachstumsstrategien möglich. Etwas gedämpft werden diese positiven Rahmenbedingungen lediglich von der großen Nachfrage nach interessanten Zielgesellschaften (Targets), die höhere Bewertungen und damit höhere Einstiegswerte zur Folge hat.


Investments: direkt versus indirekt

Aus Sicht eines privaten Anlegers bedeutet Private Equity die direkte oder indirekte Investition in meist nicht börsennotierte Unternehmen mit hohem Wachstumspotential. Bei den direkten Investments legen Unternehmerfamilien regelmäßig Wert darauf, dass sich das Geschäftsmodell des Zielunternehmens bereits als tragfähig erwiesen hat.

 

Alternativ können private Investoren in Beteiligungen über Fonds investieren. Auch bei kleineren einstelligen Millionenvermögen ist eine solche regelmäßig als transparente GmbH & Co. KG ausgestattete „Fund of Funds“-Lösung sinnvoll, da die vermögenden Familien hierdurch zum einen für Diversifizierung sorgen und sich zum anderen einen besseren Zugang zu erfolgreichen Fonds verschaffen können.

Chancen und Risiken

Private-Equity-Investitionen haben in der Vergangenheit deutlich bessere Wertentwicklungen gezeigt als börsennotierte Unternehmen. Umgekehrt sind börsennotierte Aktien jederzeit liquidierbar – anders als Private-Equity-Beteiligungen, deren Mindestanlagehorizont nicht selten acht bis zehn Jahre beträgt. Ein weiteres Risiko von Private-Equity-Investments im Vergleich zu klassischen Investments ist das erhöhte Risiko eines möglichen Totalverlusts des investierten Kapitals.

Kapitalverluste im Privatvermögen

„Echte“ Kapitalverluste aus Anteilsveräußerungen sind seit der Einführung der Abgeltungsteuer 2009 bei einer privaten Beteiligung an einer Kapitalgesellschaft von unter 1 Prozent mit positiven Einkünften aus Kapitalvermögen, nicht aber mit anderen Einkunftsquellen des privaten Anlegers verrechenbar. Beträgt die Beteiligung 1 Prozent oder mehr („wesentliche Beteiligung“), sind 60 Prozent der Verluste mit allen anderen Einkunftsarten auf Anlegerebene steuerlich nutzbar.

Bewegung ist durch die neue höchstrichterliche Rechtsprechung in Fälle des privaten Ausfalls von Kapitalforderungen gekommen. So entschied der Bundesfinanzhof mit Urteil vom 24. Oktober 2017 (Az. VIII R 13/15) entgegen den Regelungen der Finanzverwaltung in ihrem Erlass zur Abgeltungsteuer, dass der insolvenzbedingte endgültige Ausfall einer privaten Darlehensforderung gegen einen Dritten zu einem steuerlich anzuerkennenden Verlust bei den Einkünften aus Kapitalvermögen führt. Mit seinem Urteil vom 12. Juni 2018 (Az. VIII R 32/16) kippte derselbe Senat die bislang gegenteilige Auffassung der Finanzverwaltung für den Fall einer privaten Veräußerung von wertlos gewordenen Aktien an einen Dritten zu einem symbolischen Kaufpreis und ließ auch für solche Fälle eine entsprechende Verlustberücksichtigung zu.

Qualifizierte Rangrücktritte?

Eine sorgfältige Differenzierung ist in Fällen des Ausfalls von Gesellschafter-(Darlehens-)Forderungen angezeigt. Nach einem aktuellen Erlass der Verwaltung vom 5. April 2019 (IV-C-6) sollen Verluste aus nach dem 27. September 2017 hingegebenen krisenbedingten Finanzierungshilfen (Darlehen oder Bürgschaften) nur dann steuerlich als nachträgliche Anschaffungskosten auf Anlegerebene Berücksichtigung finden können, wenn qualifizierte Rangrücktritte vorliegen. Hierauf werden wesentlich beteiligte private Anleger künftig bei entsprechenden Unternehmensfinanzierungen verstärkt achten müssen.

Noch nicht abschließend höchstrichterlich geklärt ist, ob private Kapitalverluste aus Finanzierungshilfen, die nicht als nachträgliche Anschaffungskosten qualifizieren (z.B. mangels qualifizierter Rangrücktritte), als private Verluste aus Kapitalvermögen genutzt werden können. Letztlich ist dies zu bejahen, da es keinen Unterschied machen kann, ob Finanzierungshilfen gegen einen Dritten oder gegen die Gesellschaft vorliegen.

Private Anleger, die mit 10 Prozent oder mehr an einer Kapitalgesellschaft beteiligt sind, könnten in diesem Fall ihre Verluste aus Kapitalvermögen sogar in vollem Umfang mit tarifbesteuerten Einkünften verrechnen und stellten sich sogar besser als bei der Annahme von nachträglichen Anschaffungskosten, da für solche Anleger nicht die Beschränkungen des Abgeltungsteuersystems greifen, sondern die allgemeinen Regelungen gelten (§ 32 d Abs. 2 Satz 1 EStG).

Formelle Tax-Compliance

Für private Investments in ausländische Private-Equity-Fonds bestehen für inländische Anleger nicht unwesentliche Steuererklärungs- und Meldepflichten (§ 138 Abs. 2 AO), die zur Vermeidung unangenehmer Rückfragen oder gar der Verhängung von Bußgeldern durch die Finanzverwaltung dringend beachtet werden sollten.

Wie ungewohnt hartnäckig die Finanzverwaltung in jüngster Zeit an formellen Anforderungen festhält, ist bei Kapitalrückzahlungen aus EU- bzw. Drittstaaten-Gesellschaften an ihre Private-Equity-Fonds zu beobachten. Hier droht derzeit die Qualifizierung solcher steuerfreien Kapitalrückzahlungen als steuerpflichtige Gewinnausschüttungen, sollte die Verwaltung nicht ihre für die Fonds in der Praxis (zu) hohen Anforderungen an die Erbringung von Nachweisen für EU-Kapitalgesellschaften bzw. ihre vollständige Ablehnung von steuerfreien Kapitalrückzahlungen für Drittstaaten-Gesellschaften aufgeben.