Montag, 10.09.2018
Gastbeitrag von Immo Gatzweiler

Small-Cap-Strategien trumpfen auf – warum?

Bei Familienvermögen geht der Trend zu einer stärkeren Diversifizierung. Dabei steigen vor allem Investitionen in Private Equity. Allerdings spricht auch viel für börsengelistete Nebenwerte: bessere Liquiditätseigenschaften, eine größere Transparenz, niedrige Gebühren sowie attraktive Renditen.

In einer Welt im Wandel sind Unternehmen mehr denn je gefragt, mit der Veränderung Schritt zu halten. Wer sich schneller anpasst und Antworten auf die drängenden Fragen der Zeit findet, kann sich besser im Wettbewerb durchsetzen und langfristig auf Wachstum bauen. Wachstum ist auch das Kriterium, das viele Family Offices bei ihren Anlage- und Investitionsstrategien im Blick haben – und dabei oft nur das Entwicklungspotential großer Konzerne beobachten. Doch es lohnt sich, auch kleine bis mittlere Unternehmen ins Visier zu nehmen. Denn sie bringen ausgezeichnete Voraussetzungen mit, um von den globalen Veränderungen zu profitieren: Innovation ist oft schon Teil des Geschäftsmodells und damit in der DNA von kleinen bis mittleren Firmen verankert. Zudem sind sie dank ihrer überschaubaren Größe und Struktur sehr wendig und können sich schnell an den Wandel in ihrem Umfeld anpassen.

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Immo Gatzweiler ist Senior Sales Manager bei AXA Investment Managers (AXA IM).

 

Foto: AXA Investment Managers

Möchten Family Offices davon profitieren, können sie eine Nebenwerte-Strategie verfolgen und in Unternehmen investieren, die nicht dem deutschen Leitindex Dax oder anderen internationalen Leitindizes angehören. Für eine solche Small-Cap-Strategie sprechen die günstigen wirtschaftlichen Bedingungen: 2018 wird ein synchronisiertes weltweites Wachstums erwartet. Zudem sorgen strukturelle Wachstumstreiber wie die digitale Revolution oder die Energiewende für positiven Rückenwind für die Unternehmen. Ein weiterer Vorteil besteht in der im Vergleich zu Large-Cap-Aktien geringeren Korrelation zwischen Small Caps. Diese führt zu einer niedrigeren Volatilität als bei den Pendants mit einer großen Marktkapitalisierung. Zudem sind Small Caps in der Regel weniger stark von technisch ausgelösten Marktbewegungen betroffen, etwa bei Zu- und Abflüssen, die sich aus ETF-Ankaufs- und -Verkaufsstrategien ergeben.


Rendite vs. Liquidität

Eine weitere Möglichkeit, in kleinere bis mittlere Unternehmen zu investieren, eröffnen Private-Equity-Investitionen, bei denen Eigenkapital in nicht börsennotierte Unternehmen investiert wird. Diesen Rahmen haben professionelle Investoren wie Family Offices in den vergangenen Jahren zunehmend genutzt. So zeigt zum Beispiel die „Global Pension Assets“-Studie 2018 von Willis Towers Watson, dass der Anteil von alternativen Anlagen wie Immobilien, Private Equity und Infrastruktur in den Portfolios professioneller Investoren in den vergangenen 20 Jahren von etwa 4 Prozent auf rund 20 Prozent gestiegen ist. Die gleiche Studie aus dem Vorjahr belegt, dass sich das von den Top 25 der alternativen Assetmanager verwaltete Stiftungsvermögen im Jahr 2016 auf 86,5 Milliarden US-Dollar belief. Dabei betrug der Anteil von Investitionen in Private-Equity-Fonds 17 Prozent, in Private-Equity-Dachfonds 16 Prozent.

Generell bieten Private-Equity-Fonds die Chance auf höhere durchschnittliche Renditen als der Aktienmarkt, eine geringere Volatilität sowie eine niedrige Korrelation zu den traditionellen Anlageklassen. Aus Risikogesichtspunkten ist trotz möglicher Ausfallraten einzelner eingegangener Unternehmensbeteiligungen die Wahrscheinlichkeit größerer Verluste auf Fondsebene gering. Allerdings bietet die Anlageklasse weniger Transparenz und Liquidität.

 

Im Vergleich dazu können Small Caps bessere Liquiditätseigenschaften sowie eine größere Transparenz aufweisen – als börsennotierte Unternehmen unterliegen sie per se einer stärkeren Governance. Weitere Stärken gegenüber den nicht börsengelisteten Pendants bestehen in einer geringeren Verschuldung sowie in niedrigeren Gebühren. Nicht zuletzt können Small Caps auch einem Renditevergleich standhalten: Jüngste Untersuchungen haben gezeigt, dass sie über 30 Jahre hinweg ähnliche Renditen aufweisen wie Private-Equity-Fonds, die in die gleiche Unternehmensgröße investieren.

 

Family Offices können also in Unternehmen mit enormem Wachstumspotential investieren, wenn diese identifiziert werden, noch bevor der Markt sie erkennt. Ein global aufgestelltes Portfolio ermöglicht dabei eine stärkere Diversifikation mit Blick auf die Profile und Themen der Einzelwerte.