Donnerstag, 13.06.2019
Gastbeitrag von Jörg Winner

Regulierung als Chance

Immer mehr Family Offices denken darüber nach, ihre Vermögensverwaltungen in den Mantel eines steuerlichen Investmentfonds einzubringen.
Jörg Winner, Family Office, DEKA Institutionell, DEKA Winner, DEKA Office, Investmentfonds, Vermögensverwaltung, Vermögensverwaltung Family, Anlagespektrum, §-282-Fond, DekaBank

Foto: retrorocket/iStock/ Getty Images Plus

Eines der wesentlichen Ziele der Reform des Investmentsteuergesetzes von Anfang 2018 war, die Besteuerung von Investmentfonds deutlich zu verschlanken. Zudem galt es, europarechtliche Vorschriften umsetzen.

Jörg Winner, Family Office, DEKA Institutionell, DEKA Winner, DEKA Office, Investmentfonds, Vermögensverwaltung, Vermögensverwaltung Family, Anlagespektrum, §-282-Fond, DekaBank

Jörg Winner ist Leiter Unternehmen und Family Offices bei DEKA Institutionell.

 

Foto: DEKA Institutionell

Um die Vereinfachung der Besteuerung zu erreichen, hat der Gesetzgeber verschiedene pauschale Hilfsmittel eingesetzt: Zum einen werden steuerpflichtige Erträge im Rahmen der Thesaurierung (der sogenannten Vorabpauschale) anhand eines jährlich festzulegenden Zinses ermittelt. Zum anderen sollen die Vorbelastungen auf Ebene des Fonds mit einer pauschalen Freistellung von Erträgen auf der Anlegerebene einhergehen.


Von Skaleneffekten profitieren

Bei einer Aktienquote von mehr als 25 Prozent wird auf den gesamten Fonds eine steuerliche Teilfreistellung gewährt. Die Höhe der Freistellung verdoppelt sich, wenn die Aktienquote mindestens 50 Prozent beträgt. Dadurch nutzt der Anleger ganz legal die standardisierten Möglichkeiten des neuen Gesetzes.

Durch die Strukturierung des Fonds als „Pool-Spezial-AIF“ ist die Einbindung mehrerer Anleger möglich. Auf diese Weise können beispielsweise Familien von Skaleneffekten einer gebündelten Strategie profitieren. Family Offices können sich die Vorteile der Standardisierung zunutze machen, indem sie ihre bestehende klassische Vermögensverwaltung in den Mantel eines steuerlichen Investmentfonds einbringen. Dafür müssen sie weder ihre Anlagestrategien noch die Verbindungen zu Vermögensverwaltern ändern.

Breiteres Anlagespektrum

Sicherlich stellt sich hier die Frage nach den Kosten. Schließlich entstehen für die Verwaltung des Spezialfonds durch eine Kapitalverwaltungsgesellschaft Gebühren. Häufig werden die zusätzlichen Kosten jedoch durch den Effekt der Pauschalversteuerung überkompensiert, z.T. sogar in erheblichem Ausmaß. Es empfiehlt sich daher, jeden einzelnen Fall genau zu prüfen.

Eine weitere Chance, die sich durch die Änderung des Steuerregimes ergeben hat, ist die Nutzung eines Spezialfonds i.S.v. § 282 KAGB. Diese Form des Sondervermögens bietet investmentrechtliche Freiheiten, die durch das bisherige Steuerrecht nicht genutzt werden konnten. So gab es bislang einen steuerrechtlichen Katalog von erwerbbaren Vermögensgegenständen, der zwingend einzuhalten war, um als Spezialfonds anerkannt zu werden. Durch die Pauschalisierung im Steuerrecht ist dieser Katalog für einen Investmentfonds nun nicht mehr bindend.

Möchte ein Family Office seine Vermögensgegenstände in Deutschland verwalten lassen, hat sich durch die Nutzung eines §-282-Fonds das Anlagespektrum erheblich verbreitert. So nutzen viele Anleger mittlerweile dieses Vehikel zum Pooling ihrer Anlagen in „Alternative Investments“.

Wie bereits erwähnt, greifen hier die Teilfreistellungen auf den gesamten Fonds, also auch auf die Erträge aus den „Alternative Investments“. Nach den ersten erfolgreichen Umsetzungen gewinnt dieser Ansatz immer mehr an Beliebtheit bei den Anlegern.