Freitag, 01.06.2018
Gastbeitrag von Andreas A. Möller

Private Equity: Investments mit Renditepotential

Vor dem Hintergrund niedriger Zinsen in Europa, der aktuellen Marktkorrektur sowie deutlich gestiegener Schwankungen an den Aktienmärkten setzen viele Unternehmer und Family Offices auf Investitionen in Private Equity. Was sind die Gründe? Und wo liegen die Chancen und Risiken?

Der globale Private-Equity-Markt hat 2017 mit einem investierten Gesamtvolumen von über 2,3 Billionen Euro eine neue Rekordmarke erreicht, so die Ergebnisse einer Studie des Datenanbieters Preqin. Über 4.000 Transaktionen wurden im vergangenen Jahr weltweit getätigt, 921 neue Fonds sammelten Mittel von über 370 Milliarden Euro ein. Dabei waren 95 Prozent der Investoren mit ihren Investments zufrieden; über die Hälfte plant, den Anteil von Private Equity (PE) in ihrem Gesamtvermögen mittelfristig auszubauen.

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Andreas A. Möller ist Managing Director im Wealth Management von Rothschild & Co.

 

Foto: Rothschild & Co

Die Bedeutung der Branche für die Realwirtschaft ist groß: Seit 2007 flossen allein in Europa mehr als 380 Milliarden Euro in die Finanzierung kleiner und mittlerer Unternehmen. Derzeit befinden sich etwa 30.000 Unternehmen in Besitz von Investoren, die sich auf die Investition in Unternehmensbeteiligungen spezialisiert haben. Zwischen sieben und acht Millionen Beschäftigte arbeiten für Firmen mit einem solchen Hintergrund. Allein die fünf größten Private-Equity-Unternehmen beschäftigen über ihre Beteiligungen zusammen fast eine Million Mitarbeiter.

 

Das Umfeld für Private Equity in Europa ist derzeit weiterhin positiv: Aufgrund der niedrigen Zinsen sind aktuell günstige Finanzierungen von Unternehmenskäufen und Wachstumsstrategien möglich. Die Verschuldungsgrade der Unternehmen sind angemessen, und die Konjunktur läuft blendend. Die Bedingungen für einen späteren Verkauf sind damit aus heutiger Sicht gut.

 

Etwas eingetrübt werden diese positiven Rahmenbedingungen lediglich von der großen Nachfrage nach Private Equity durch Investoren. Der Wettbewerb von PE-Fonds um den „Einkauf“ der unternehmerischen Zukunftsvision hat hohe Bewertungen der Zielunternehmen und somit höhere Einstiegswerte zur Folge. Damit entsteht Druck auf die Renditen dieser Anlageklasse.

Direkt oder indirekt investieren?

Der Begriff Private Equity umfasst die Beteiligung von Investoren am Eigenkapital meist nicht börsennotierter Unternehmen für einen Zeitraum von meist vier bis acht Jahren. Primäres Ziel ist die Steigerung des Unternehmenswertes. Aus Sicht eines Anlegers bedeutet Private Equity die direkte oder indirekte Investition in Unternehmen mit hohem Potential, die ganz besonders vom Wachstum der Realwirtschaft und einzelner Branchen profitieren.

 

Es gibt verschiedene Möglichkeiten, in Private Equity zu investieren. Eine Direktbeteiligung ist der vollständige oder teilweise Erwerb eines einzelnen Unternehmens. Bei einem Co-Investment beteiligt sich der Investor gemeinsam mit einem Fondsmanager, der als Hauptinvestor alleinverantwortlich alle Entscheidungen trifft. Bei einem „Primary“-Investment stellt man einem Fondsmanager die Mittel zur Verfügung, der diese sukzessive in verschiedene Firmen investiert. Ein „Secondary“-Fonds erwirbt Private-Equity-Investments von bereits investierten Fonds, die den bisherigen Investoren abgekauft werden. Bei einem „Fund-of-Funds“-Investment investiert der Investor in einen sogenannten Dachfonds, der wiederum in zahlreiche Private-Equity-Primary-Fonds anlegt oder auch Co-Investments beimischt. Ein solcher Dachfonds kann mehr als 200 zugrunde liegende Unternehmen umfassen, womit ein effizienter Zugang zu verschiedenen Segmenten von Private Equity bei gleichzeitig hoher Streuung der Einzelrisiken möglich ist. Jede Investitionsform hat ihre Vor- und Nachteile, die beim Aufbau eines Beteiligungsportfolios miteinander kombiniert werden können.

Mehr Chancen als Risiken?

Private-Equity-Investments lieferten historisch eine bessere Wertentwicklung als börsennotierte Unternehmen. Während Private-Equity-Investitionen über verschiedene Zeiträume betrachtet Renditen von durchweg über 10 Prozent erzielten, lagen die Aktienmärkte meist deutlich dahinter und wiesen – natürlich auch durch die tägliche Bewertung – gleichzeitig höhere Kursschwankungen auf. Umgekehrt sind börsennotierte Aktien jederzeit liquidierbar, was bei Private-Equity-Beteiligungen so nicht der Fall ist. Folgende Überlegungen sollten einem Investment in Private Equity vorangehen:

 

  • Wie hoch soll der Anteil der Private-Equity-Allokation am Gesamtportfolio sein?
  • Wie hoch ist der verfügbare Betrag für einzelne Investitionen?
  • Wie wirkt sich die Investition in Private Equity im Gesamtportfolio der Anlagen aus?
  • In welcher Form soll eine Diversifikation innerhalb von Private Equity erfolgen (Geographie, Größe der Unternehmen, Finanzierungsphasen der Unternehmen, Branchen, Fondsmanager)?

 

Auch die Risiken bei Investments in Private Equity sollten bedacht werden – wie die relativ lange Anlagedauer von meist acht Jahren oder mehr, die eingeschränkte Veräußerbarkeit und somit Liquidität während der Anlagedauer, die schwer planbaren Zahlungsströme der Rückflüsse aus dem Investment sowie das Risiko einer unternehmerischen Beteiligung mit möglichem Totalverlust des investierten Kapitals. Der realisierte Wert von Private-Equity-Anlagen kann durch zahlreiche Faktoren beeinflusst werden, darunter (aber nicht nur) die Qualität des Fondsmanagers, das Marktrisiko, der Wirtschaftszyklus der gewählten Branchen, der Zyklus der jeweiligen Unternehmen, die Zinssätze und die Wechselkurse.

 

Es braucht Zeit und Zugang, um leistungsfähige Manager in verschiedenen Branchen und Regionen zu identifizieren. Die Performanceunterschiede der Fondsmanager sind oft groß. Gute Fondsmanager verfügen über ein großes Netzwerk und haben Zugang zu Transaktionsmöglichkeiten sowohl beim Kauf als auch beim Verkauf von Unternehmen. Sie planen bereits vor Abschluss jeder Transaktion für jedes Einzelinvestment die Exit-Strategie, versuchen Interessenkonflikte zu vermeiden und investieren üblicherweise ebenfalls eigenes Geld in ihren Fonds.

 

In den zurückliegenden Jahrzehnten konnten Private-Equity-Investitionen attraktive Renditen erzielen. Durch die geringe Korrelation zu anderen Anlageformen konnten Investoren und Family Offices das Gesamtvermögen diversifizieren und weniger schwankungsanfällig gestalten. Dabei war die Wertentwicklung besser als die der Aktienmärkte, wodurch Anleger für die Illiquidität der Anlage bselohnt wurden. Ein Anteil von Private Equity in Höhe von 10 bis 15 Prozent eines Portfolios kann durchaus angemessen sein.