Freitag, 01.06.2018
Gastbeitrag von Jörg Winner

Neue Chance für Spezialfonds?

Die Herausforderungen durch die Investmentsteuerreform und das schwierige Marktumfeld machen die Betreuung von komplexen Familienvermögen zusehends anspruchsvoller.

Die Zahlen zeigen einen klaren Trend: Laut des aktuellen KfW-Mittelstandspanels planen in den kommenden vier Jahren mehr als eine halbe Million Mittelständler die eigene Unternehmensnachfolge. Entweder wollen sie die Firma übergeben oder, wenn sich kein geeigneter Nachfolger findet, verkaufen. Ist das geschehen, suchen die Unternehmerfamilien nach einer individuellen Geldanlage für ihr Vermögen. Sehr häufig entscheiden sie sich dabei für ein Family Office. Aktuell gibt es, ausgelöst durch Unternehmensverkäufe und -übergaben, besonders viele Neugründungen von Family Offices. Das Ziel ist klar: das Familienvermögen im Interesse ihrer Auftraggeber diskret und generationsübergreifend real zu sichern und Wertsteigerungen bei kontrolliertem Risiko zu erzielen.

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Jörg Winner ist Leiter des Kompetenzteams Family Offices bei Deka Institutionell in Frankfurt am Main.

 

Foto: Deka Institutionell

Bei der herausfordernden Strukturierung des Familienvermögens müssen die Verantwortlichen aber seit kurzem das geänderte Steuerrecht beachten. Die seit Anfang des Jahres geltende Investmentsteuerreform hat wichtige Konsequenzen für Family Offices. So kommt beispielsweise künftig der Wahl zwischen der Besteuerung als (intransparenter) Investmentfonds (analog der Besteuerung eines Publikumsfonds) oder als Spezial-Investmentfonds eine völlig neue Bedeutung zu. Eine weitere wichtige Neuerung: Die mittelbare Beteiligung natürlicher Personen an steuerlichen Spezial-Investmentfonds ist nun nicht mehr oder nur noch im Rahmen bestimmter Übergangsregelungen möglich.

 

Neue Steuerregeln bergen auch Chancen

Das bedeutet: Neu gegründete Family Offices müssen sich intensiv mit den verschiedenen Steuervarianten auseinandersetzen, um die beste individuelle Lösung für das von ihnen betreute Familienvermögen zu finden. Aber auch viele schon bestehende Family Offices nehmen die Änderungen des Investmentsteuerrechts zum Anlass, um die Portfolios der wohlhabenden Familien neu zu strukturieren. Um die Anforderungen der Investmentsteuerreform abzubilden und individuell passende Konzepte zu entwickeln, empfiehlt es sich, Steuer-, Rechts- und Investmentexpertise zu bündeln. Eine Lösungsmöglichkeit besteht etwa darin, einen aufsichtsrechtlichen Spezialfonds steuerlich als Publikums-Investmentfonds zu behandeln. Der große Vorteil: Die Individualität eines Spezialfonds wird mit der vereinfachten Besteuerung eines Publikumsfonds kombiniert.

Die Spezialfondslösung weist gegenüber der fondsbasierten Vermögensverwaltung noch weitere Pluspunkte auf: Zum einen wird dank der geänderten Regelungen das Spektrum an steuerlich zulässigen Investmentmöglichkeiten erweitert. Zum anderen wird der administrative Aufwand, was die Bilanzierung und Bewertung betrifft, für die Family Offices erleichtert. Es gibt zudem nur einen Ansprechpartner, was für kleinere Family Offices von Vorteil ist. Und auch die niedrigeren Kosten, die insgesamt höhere Transparenz und vor allem der größere Freiheitsgrad hinsichtlich des Anlageuniversums sprechen für die Umsetzungsoption Spezialfonds.

Freiheiten flexibel ausnutzen

Gerade der letztgenannte Aspekt ist im aktuell schwierigen Umfeld von Bedeutung. Im anhaltenden Niedrigzinsumfeld gilt es, auf der Basis einer klaren Anlagestrategie Renditechancen zu nutzen und Risiken gezielt von Diversifikationseffekten zu reduzieren. Hilfreich ist dabei, dass ein Family Office – anders als etwa Versicherungen oder Pensionskassen – keinen Regulierungen unterliegt. Die Anlagestrategie kann vielmehr frei und unabhängig bestimmt werden. Und diese Freiheiten gilt es auszunutzen – zumal die strategische Allokation bekanntlich den Hauptteil der Rendite bestimmt.