Dienstag, 23.06.2020
Gastbeitrag von Sonja Kimmeskamp und Kerstin Terhardt

Nachhaltige Kapitalanlagen im Wandel

Sustainable Investments gewinnen bei der Kapitalanlage immer mehr an Bedeutung. Institutionelle Investoren und zunehmend auch private Anleger richten ihr Portfolio verstärkt nach Umwelt- und Sozialfaktoren sowie nach Aspekten guter Unternehmensführung (kurz: ESG) aus.
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Foto: retrorocket/iStock/ Getty Images Plus

Anfangs näherten sich sowohl private als auch institutionelle Anleger dem Thema „Nachhaltiges Investieren“ vor allem über Ausschlusslisten. Kurz gesagt: In Unternehmen, deren Aktivitäten nicht mit den eigenen Wertvorstellungen übereinstimmten, wurde nicht investiert. Zu den meistgenannten Ausschlusskriterien in Deutschland dürfte beispielsweise die Produktion von Streubomben gehören. Ein kategorischer Ausschluss von Unternehmen, die Rüstungsgüter herstellen, fällt aufgrund der weitverzweigten Geschäftstätigkeiten großer Industriekonzerne jedoch schwer.

Ausschlusskriterien prüfen

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Sonja Kimmeskamp, Director, Head of Sustainable Investing, HSBC Global Asset Management Deutschland

 

Foto: HSBC

Bei der Investmententscheidung nach ESG-Kriterien ist daher ein gewisses Maß an Trennschärfe sinnvoll. Insbesondere bei global agierenden Unternehmen ist nicht immer eindeutig nachvollziehbar, ob und in welchem Umfang einzelne Ausschlusskriterien überhaupt greifen. Insbesondere kann das Hervorheben eines einzelnen Faktors in die Irre führen. Legen Anleger beispielsweise Wert auf einen geringen CO2-Fußabdruck, läge in der Konsequenz der Ausschluss von Investments in Aktien oder Anleihen des Versorgersektors nahe. Um aber nicht pauschal einen ganzen Sektor auszunehmen, könnte der Ausschluss auf Versorger mit hohem CO2-Ausstoß begrenzt werden. Übrig blieben allerdings Unternehmen, die Strom aus Atomenergie erzeugen. Zudem basieren Ausschlusskriterien meist auf Informationen über die Unternehmenspolitik in der Vergangenheit und berücksichtigen mögliche technologische Entwicklungen und eine strategische Neuausrichtung des Unternehmens nicht.

 

Mit Blick auf die zukunftsgerichtete Investmententscheidung ist daher ein integrierter Ansatz zielführend. Dieser berücksichtigt Nachhaltigkeitskriterien als Querschnittsfunktion in allen Schritten des Investmentprozesses. Neben den harten Ausschlusskriterien werden hierbei alle unternehmerischen Entscheidungen im Hinblick auf ihre ökologischen, sozialen und ethisch-moralischen Auswirkungen betrachtet.

Zu Beginn dieses Prozesses sollten Anleger entsprechend ihrer eigenen Werte ein Zielsystem erarbeiten und ihre Anlagepolitik darauf abstimmen. Die Finanzindustrie kann bei der Umsetzung dieser Investmentstrategie einen aktiven Beitrag leisten und neben dem Anlagehorizont, der Renditeerwartung und der Risikoneigung des Anlegers diese Nachhaltigkeitskriterien berücksichtigen.

Investieren mit Impact

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Kerstin Terhardt, Director, Head of Credit Fixed Income Portfoliomanagement, HSBC Global Asset Management Deutschland

 

Foto: HSBC

Eine Weiterentwicklung des integrierten Ansatzes ist das sogenannte Impact Investing. Darunter wird die Möglichkeit verstanden, durch Kapitalanlage einen aktiven und messbaren Beitrag für bestimmte ökologische oder soziale Projekte zu leisten. Nachhaltiges Investment fußt damit auf drei Ansätzen:

 

  1. Definition von Ausschlusskriterien
  2. Integration von Nachhaltigkeitskriterien
  3. wirkungsvolles Investieren (Impact Investing)

 

Diese drei Ansätze werden nicht alternativ, sondern kumulativ verwendet. Die Herausforderung für die Finanzindustrie besteht hauptsächlich darin, Lösungen anzubieten, die diese Elemente individuell miteinander kombinieren. Anleger, die „nachhaltig“ investieren wollen, sollten sich nicht nur intensiv mit dem Themenkomplex auseinandersetzen, sondern darüber hinaus auch ein eigenes Zielsystem entwickeln. So können ESG-Kriterien in angemessener Weise berücksichtigt und zugleich der Anlageerfolg langfristig sichergestellt werden.