Freitag, 01.06.2018
Gastbeitrag von Jens Spudy

Mit Stiftungen Einfluss wahren

Immer mehr Unternehmer möchten mit ihrem Vermögen die Gesellschaft gestalten. Die Gründung einer Stiftung scheint eine naheliegende Lösung, die allerdings alles andere als einfach ist.

Wer mit seinem Vermögen soziale, ökologische oder wissenschaftliche Entwicklungen dauerhaft fördern will, errichtet eine Stiftung. Die persönlichen Beweggründe sind so verschieden wie die Stifter selbst und ihre jeweilige Lebensgeschichte. Immer ist eine Stiftung aber gekennzeichnet als Vermögensmasse, die auf Dauer einem bestimmten Zweck gewidmet ist. Der Stifter verpflichtet sich, ein bestimmtes Vermögen dauerhaft in seine Stiftung einzubringen.

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Jens Spudy ist Geschäftsführender Gesellschafter der Spudy Family Office GmbH, Hamburg.

 

Foto: Spudy Family Office

Die Errichtung einer Stiftung ist alles andere als trivial. Die ersten Hürden lauern schon zu Beginn: Viele Stifter haben eine Idee, die in der Praxis schwierig umzusetzen ist oder von der Stiftungsaufsicht kritisch gesehen wird. Damit die Stiftungsaufsicht eine Idee akzeptiert, muss diese eine Reihe von Kriterien erfüllen. Dabei ist zu beachten, dass die Stiftungsaufsicht Ländersache ist und unterschiedliche Landesgesetze zu unterschiedlichen Begrifflichkeiten führen. Das kann zu Verwirrung und Problemen führen, so dass für Schriftstücke nicht einfach eine beliebige Vorlage genommen werden kann. Entscheidend ist, welche Art Stiftung errichtet werden soll. Möchte der Stifter ein Leuchtturmprojekt erschaffen, oder geht es „nur“ um Fundraising oder Förderstiftungen? Ist die Idee gereift und möchte der mögliche Stifter das Thema auf eigene Faust angehen, kann er sich Rat erfahrener Stifter einholen und die Stiftungsaufsicht kontaktieren.

 

Das Stiftungsvermögen und die daraus erzielten Erträge sind die Grundlage für die Zweckverwirklichung und die Messlatte für die Bedeutung der Stiftung in der Öffentlichkeit. Auch wenn fast alle deutschen Stiftungen einen steuerbegünstigten Zweck verfolgen, sind sie kein Steuersparmodell. Eine Stiftung ist unwiderruflich, das eingebrachte Vermögen kann nicht wieder herausgelöst werden. Deshalb sollten Stifter klären, ob der Stiftungszweck auch den nachfolgenden Generationen wichtig ist, bevor sie verbindlich erklären, eine bestimmte Vermögensmasse für diesen Zweck dauerhaft einzubringen.

 

Damit der Stiftungszweck auf Dauer erfüllt werden kann, darf das Stiftungsvermögen nicht angetastet werden. Die staatliche Stiftungsaufsicht begleitet und kontrolliert die Stiftungstätigkeit.

Wie hoch ist das Stiftungsvermögen?

Eine grundsätzliche Frage auf dem Weg zur Stiftung ist die Höhe des einzubringenden Kapitals. Es muss ausreichen, um den Satzungszweck dauerhaft zu erfüllen. Die frühere Praxis, wie bei einer GmbH mit einem Stiftungsvermögen von 25.000 Euro zu beginnen, ist heute nicht mehr umsetzbar: Abhängig von der Art der Stiftung, ihrem Ziel und ihrer Satzung kann in der aktuellen Niedrigzinsphase ein Stiftungsvermögen von 100.000 Euro gerade ausreichend sein.

 

Liegt die einzubringende Summe unter der erforderlichen Schwelle, sollte man Alternativen erwägen. Das kann zum Beispiel eine Zustiftung an eine bestehende Stiftung sein, eine Zahlung an eine Treuhandstiftung oder auch die Errichtung einer Verbrauchsstiftung, die nicht auf Ewigkeit angelegt ist, sondern in einem in der Satzung definierten Zeitrahmen verbraucht werden soll, etwa über einen Zeitraum von 25 Jahren.

 

Wie der Erhalt des Stiftungskapitals gesichert und Risiken gewichtet werden sollen, hängt von den Anlagerichtlinien des Stifters sowie maßgeblich von der Sichtweise der Stiftungsaufsicht ab. Beispielsweise kann ein Mietobjekt im Stiftungsvermögen bei Mietausfällen und hohen Verwaltungskosten zum Problem werden. Dies gilt auch für Investmentfonds, die keine laufenden Erträge mehr erwirtschaften, sondern nur noch Substanzausschüttungen generieren, die für Stiftungen nicht verwendbar sind. Die Praxis zeigt, dass die Förderung langfristiger Projekte auf ausreichende Erträge angewiesen ist, die sich in der aktuellen Niedrigzinsphase nicht immer mit allen Anlagestrategien erwirtschaften lassen.

 

Genau wie bei Unternehmen ist die Nachfolgeregelung auch für Stiftungen ein wichtiges Thema: Wer führt die Stiftung weiter, wenn der Stifter stirbt? Gibt es Familienmitglieder, die seine ehrenamtliche Aufgabe übernehmen können und wollen, oder muss ein externer Geschäftsführer bestellt werden?

 

Daraus entstehen womöglich zusätzlich Kosten, die für die Stiftung zum Problem werden können, wie das folgende Beispiel zeigt: Eine Stiftung erwirtschaftet Erträge von 100.000 Euro. Bisher stellte der Stifter den Vorstand. Sollte ein Anwalt die Geschäftsführung für ein Honorar von 50.000 Euro pro Jahr übernehmen, lägen die Verwaltungskosten bei 50 Prozent der Erträge. Allerdings: Nach ständiger Rechtsprechung sollten die Verwaltungskosten ein Drittel der Einnahmen nicht übersteigen. Die Stiftungsaufsicht billigt also maximal 30.000 Euro pro Jahr. Im vorliegenden Fall erklärt sich der Vorstand bereit, die Differenz auszugleichen, doch ist das nicht immer möglich.