Dienstag, 23.06.2020
Gastbeitrag von Clemens Fritzen

Mehr Freiheit mit Sale and Leaseback

Unternehmen aus dem produzierenden Mittelstand greifen immer häufiger auf moderne, intelligente Finanzierungsalternativen wie Sale and Leaseback zurück, besonders wenn es darum geht, zeitnah und ohne zusätzliche Belastung bestehender Kreditlinien Liquidität zu generieren.
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Foto: retrorocket/iStock/ Getty Images Plus

Viele Unternehmer in unterschiedlichsten Branchen, vor allem jedoch in der Fertigung, sind für ihre Geschäftsaktivitäten auf Maschinen angewiesen. Die Entwicklung und die Anschaffung der Produktionsanlagen stellen in der Regel signifikante Investitionen dar, die stets ein hohes Maß an Kapital binden. Dieser finanzielle Spielraum fehlt dann an anderer Stelle, oft in kleinen und mittelständischen Unternehmen.

 

Besonders in schweren Zeiten, wie in der Corona-Krise, erhöht sich der Liquiditätsbedarf vieler Unternehmen erheblich. Aber auch im regulären Tagesgeschäft haben Firmen stets Bedarf an finanzieller Bewegungsfreiheit, zum Beispiel wenn es um die Umsetzung einer Nachfolgeregelung geht, die Internationalisierung oder den Aufbau eines neuen Geschäftsbereichs. Vielleicht soll die Produktion ausgeweitet oder ein Standort durch neues Personal gestärkt werden – oder aber die digitale Transformation des Unternehmens vorangetrieben werden.

Maschinen als Investitionskapital

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Clemens Fritzen, Vorstand, NetBid AG

 

Foto: NetBid

Mittlerweile generieren immer mehr Unternehmen aus ihren stillen Reserven Liquidität. Dazu zählen unter anderem Maschinen und Anlagen. Sale-and-Leaseback-Transaktionen sind in diesem Zusammenhang in den vergangenen Jahren zu einer bewährten Finanzierungsalternative avanciert.

 

Bei einer Sale-and-Leaseback-Transaktion veräußert ein Unternehmen beispielsweise eine Produktionsmaschine zum Zeitwert an einen Finanzierungspartner, der im Vorfeld und nach Bewertung der Maschine ein entsprechendes Angebot unterbreitet hat. Kommt die Transaktion zustande, überweist der Finanzierungspartner dem Unternehmen unmittelbar den Kaufbetrag. Nach dem Kauf least das Unternehmen dieselbe Maschine vom Finanzierungspartner zurück. Das Asset, in diesem Fall die Produktionsmaschine, verbleibt während des gesamten Prozesses am Fertigungsstandort im Betrieb und kann vor, während und nach der Transaktion wie gewohnt weiter genutzt werden.

Laut einer Analyse des ifo Instituts für Wirtschaftsforschung in Zusammenarbeit mit dem Bundesverband Deutscher Leasing-Unternehmen (BDL) umfasste der Leasingsektor im vergangenen Jahr ein Finanzierungsvolumen von rund 7 Milliarden Euro im deutschsprachigen Raum. Der gesamte Sektor, also Investitionen der Leasingwirtschaft, kam im Jahr 2019 auf 74,4 Milliarden Euro. Das bedeutet ein Plus von 7,4 Prozent verglichen mit dem Vorjahr. Die Leasingquote beim Mobilienleasing betrug dabei 24 Prozent – insgesamt wurden circa zwei Millionen Neuverträge geschlossen. Der Wert von verleasten Wirtschaftsgütern lag nach Angaben des BDL bei 220 Milliarden Euro.

Schnelle Liquiditätsbeschaffung

Im direkten Vergleich zu anderen gängigen Optionen der Liquiditätsbeschaffung, wie etwa durch Banken, hat Sale and Leaseback zahlreiche Vorteile: So akzeptieren beispielsweise Banken im deutschsprachigen Raum gebrauchte Produktionsmaschinen in der Regel nicht als Sicherheit für Finanzierungen. Darüber hinaus kommt es bei der Prüfung durch Kreditinstitute in vielen Fällen zu langwierigen Entscheidungswegen und Prozessen.

 

Für Unternehmen bedeutet die Beschaffung von neuer Liquidität oft einen monatelangen Zeitaufwand und ist mit hohem bürokratischem Aufwand verbunden. Zudem kann das Ausreizen einer Kreditlinie bei der Hausbank natürlich den eigenen finanziellen Handlungsspielraum stark einschränken. Viele Mittelständler und Familienunternehmen setzen daher immer stärker auf Sale and Leaseback, wenn es darum geht, frische Liquidität aus eigener Kraft und Substanz zu generieren.