Montag, 25.05.2020
Gastbeitrag von Tobias Vogel

Komplex und folgenschwer

Die Übergabe des Lebenswerkes an die eigenen Kinder muss gut geplant sein. Angesichts der Vielzahl an Entscheidungen, die in Zuge der familieninternen Nachfolge getroffen werden müssen, fällt es nicht leicht, den Überblick zu behalten.
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Foto: retrorocket/iStock/ Getty Images Plus

Wie übergebe ich mein Familienunternehmen erfolgreich an die nächste Generation? Eine Frage, die sich nicht leicht beantworten lässt, langfristige Konsequenzen mit sich bringt und auf die viele mittelständische Firmen eine Antwort finden müssen: Laut Institut für Mittelstandsforschung Bonn sind von rund 3,6 Millionen Unternehmen in Deutschland circa 94 Prozent familiengeführt. Etwa 150.000 davon sollen einer Studie aus dem Jahr 2018 zufolge zwischen 2018 und 2022 übertragen werden, 53 Prozent an einen familieninternen Nachfolger.

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Tobias Vogel, Vorstandsmitglied, UBS Europe

SE & Market Head Wealth Management Germany

 

Foto: UBS

Die Umsetzung einer Unternehmensnachfolge von einer Generation auf die nächste ist oftmals ein mehrjähriger Prozess, der in der Regel für alle Beteiligen von großer Bedeutung für die Zukunft des Eigentümers, seines Unternehmens, seiner Familie und seines Umfeldes ist. Daher lohnt es sich, die Nachfolgeregelung rechtzeitig und sorgfältig anzugehen.

 

Neben der geplanten Unternehmensnachfolge sollten auch Vorkehrungen für eine ungeplante Nachfolge getroffen werden. Immer wieder geraten Unternehmen durch unvorhersehbare Schicksalsschläge wie Tod, Krankheit oder Unfall ins Wanken. Unternehmer sollten sich daher die Frage stellen: In welcher Lage befände sich das Unternehmen heute, wenn mir gestern etwas zugestoßen wäre?

Das richtige Maß finden

Obwohl viele Eigentümer von Familienunternehmen den Wunsch hegen, ihr Unternehmen mit langfristigem Erfolg weiterzureichen, ist die Quote an Misserfolgen hoch. Auch wenn die Vermutung naheliegt, ist das Scheitern der Folgegeneration selten auf eigenes Verschulden, sondern oftmals schlicht auf unzureichende Planung zurückzuführen. Denn viele Unternehmer fokussieren sich so stark auf ihren Unternehmenserfolg, dass es ihnen an Zeit und geistigem Freiraum fehlt, über die Zeit der Übergabe und des Loslassens nachzudenken. Andere vertiefen sich zu sehr in Details der Nachfolgeregelung und verlieren dabei andere wichtige Aspekte aus den Augen, was die langfristige Leistung des Unternehmens beeinträchtigen und sowohl einen reibungslosen Generationswechsel als auch die eigene Versorgung gefährden kann.

Emotionaler Sprengstoff

Ein familieninterner Wechsel an der Unternehmensspitze prägt meist die Familiendynamik und wird erfahrungsgemäß als sehr emotionales Thema wahrgenommen: Welches Familienmitglied arbeitet aktiv im Familienunternehmen mit? Wer identifiziert sich mit internen Abläufen? Wer trägt die gleichen Werte, und wer zeigt Potential zur erfolgreichen Weiterführung der Geschäfte? Das sind Fragen, mit denen sich jeder Eigentümer auseinandersetzen sollte. Genauso stellt sich für den Übergebenden die Frage, welche Rolle er in Zukunft einnehmen möchte: Manche Unternehmer sind froh über ihren beruflichen Rückzug und genießen die neugewonnenen Freiheiten. Andere lassen ungern los, schließlich ist das eigene Unternehmen auch Lebenswerk und stiftet Identität.

Für Zustimmung sorgen

Um ein Unternehmen sicher an die Folgegenerationen weiterzureichen, müssen unterschiedlichste Einflussfaktoren bedacht werden, die oftmals unterschätzt werden: So sollten rechtliche und steuerliche Konsequenzen der Erbregelung stets berücksichtigt werden. Zudem muss ein Überblick über das Gesamtvermögen sowie die voraussichtliche Versorgungssituation aller Beteiligten geschaffen und eine solide Vermögens- und Geschäftsplanung aufgestellt werden. Generell ist es vorteilhaft, die Familie frühzeitig einzubeziehen. So kann die Akzeptanz der beabsichtigten Nachfolgeregelung in der Familie verbessert werden.

 

Zudem bleibt eventuell noch genug Zeit, unternehmensunabhängiges Vermögen zu schaffen oder auszubauen, um einen gerechten Ausgleich in der Familie zu ermöglichen, wobei „gerecht“ nicht zwangsläufig „gleich verteilt“ bedeutet. Auch die Sicherung der Altersversorgung des Unternehmers und seines Lebenspartners sollte frühzeitig in die Überlegungen aufgenommen werden. Denn der oder die Nachfolger und das Unternehmen sollen nicht mit hohen zukünftigen Belastungen überfordert werden.