Dienstag, 23.06.2020
Gastbeitrag von Andreas A. Möller und Oliver D. Oswald

Investieren in Private Markets

Private Markets bieten Investoren, die auf langfristigen Vermögenserhalt abzielen, eine Reihe von Vorteilen. Gegenüber dem Aktienmarkt hat ein Mix aus Private Equity, Private Debt und Infrastrukturinvestitionen bessere Chancen. Doch die Anlageklassen sind komplex. Ein Überblick.
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Foto: retrorocket/iStock/ Getty Images Plus

Um ihre Renditeziele zu erreichen, haben große institutionelle Anleger wie Staatsfonds, Pensionskassen und andere professionelle Anleger schon seit Jahren das Spektrum ihrer Anlageklassen erweitert. Dabei setzen sie – im Gegensatz zu den meisten privaten Anlegern – vermehrt auf Investitionen in die sogenannten Private Markets. Hierbei handelt es sich um Finanztransaktionen in nicht börsennotierte Anlagen, wie beispielsweise Private Equity, Private Debt, aber auch Investitionen in die Infrastruktur.

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Andreas A. Möller, Managing Director, Rothschild &

Co Wealth Management

 

Foto: Martin Joppen

In den vergangenen Jahren haben institutionelle Anleger ihre Aktivitäten in diesem Bereich substantiell ausgebaut, und die Vorzeichen deuten darauf hin, dass das Wachstum weitergehen soll. Laut einer Studie des weltweit größten Vermögensverwalters Blackrock planen sie, ihre Allokation in Private Markets auch im Jahr 2020 zu erhöhen.

 

Das ist keine neue Entwicklung, dieser Trend besteht bereits seit längerer Zeit. Schon im Jahr 2017 haben die Investitionen in nicht börsengehandelte Finanzanlagen erstmals die öffentlich gehandelten Finanzanlagen überstiegen. Eine Auswertung des Finanzdatenanbieters Preqin belegt, dass sich das Fundraising von Private-Markets-Anlagen seit 2010 mehr als verdoppelt hat. Im vergangenen Jahr erreichten die Anlagen folglich einen Wert von rund 1 Billion US-Dollar.

Die wesentlichen Gründe für ein Engagement in Private Markets sind neben der naheliegenden Portfoliodiversifikation ein ausgewogenes Rendite- Risiko-Verhältnis. Private Equity bietet ein hohes Renditepotential, während die Erträge bei Private Debt oder Infrastrukturinvestitionen Stabilität erzeugen. Das Ziel liegt hier klar auf der Hand: eine ausgewogene Renditesteigerung bei gleichzeitiger Risikoreduktion mit Blick auf das Gesamtvermögen. Der Diversifikationseffekt wird bei Private Markets nochmals besonders deutlich, da hier der Zugang zu Anlagemöglichkeiten besteht, die auf den öffentlichen Märkten normalerweise nicht verfügbar sind.

Illiquidität als strategischer Vorteil

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Oliver D. Oswald, Director, Rothschild & Co Wealth

Management

 

Foto: Martin Joppen

Naturgemäß sind Private-Markets-Anlagen illiquider, lassen sich also nicht so schnell und einfach handeln wie öffentlich an der Börse gehandelte Wertpapiere. Diesen Nachteil kompensieren sie aber durch insgesamt höhere Erträge: Zwischen 2005 und 2017 haben Private-Markets- Anlagen höhere Erträge erwirtschaftet als ihre öffentlich gehandelten Pendants.

 

Die Illiquidität hat aber noch eine weitere Folge: Sie führt dazu, dass diese Anlageklasse weniger volatil ist, da sie üblicherweise nur vierteljährlich bewertet wird. Hier kommen strukturelle Vorteile gegenüber den traditionellen Märkten zur Geltung, insbesondere in turbulenten Marktphasen – ganz im Gegensatz zu der häufigen Annahme, Vermögenswerte aus dem Private-Markets-Bereich würden sich während eines Marktabschwungs schlechter entwickeln. Aus zwei Gründen trifft dies nicht zu: Zum einen kann die passende Struktur von Private-Markets-Portfolios einen Puffer gegen von Anlegern verursachte Liquiditätsprobleme bieten, falls diese in turbulenten Marktzeiten abverkaufen wollen oder müssen. Zum anderen kann die Liquiditätsreserve eines Private-Markets-Fonds – in der Finanzbranche auch als „Dry Powder“ bezeichnet – gut als Puffer während eines Abschwungs dienen.

Krisenerprobte Anlage

Laut Preqin liegen diese Reserven bei rund 2,4 Billionen US-Dollar (Stand: 1. Halbjahr 2019). Diese Liquidität ermöglicht es diesen Fonds, auch in schwachen Marktphasen Eigenkapital oder Fremdkapital in Unternehmen zu investieren. Damit bieten sie Unternehmen die Möglichkeit, in einem herausfordernden Marktumfeld zu wachsen oder sich zumindest zu stabilisieren, während ihre Konkurrenten unter den allgemeinen Marktbedingungen eher leiden.

Folglich wirkt sich eine Investition in Private- Markets-Anlagen positiv auf das Gesamtportfolio aus. Nach einer Analyse von Rothschild & Co war ein Portfolio, bestehend aus 20 Prozent Private-Markets-Anlagen, 50 Prozent Aktien und 30 Prozent Renten im Durchschnitt der vergangenen fünf, fünfzehn und zwanzig Jahre jeweils renditestärker und weniger volatil als ein Vergleichsportfolio mit 60 Prozent Aktien und 40 Prozent Renten.

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Ein weiteres zentrales Merkmal des Private-Markets-Portfolios ist, dass sowohl in Zeiten starker als auch in Zeiten schwacher Aktienmärkte innerhalb der vergangenen zwanzig Jahre eine bessere Performance erzielte wurde als bei herkömmlichen Portfolios. Dieser Effekt wurde während der Dotcom-Krise der frühen 2000er Jahre sowie in der globalen Finanzkrise ab 2008 umso deutlicher.

Wie wird investiert?

Der Aufbau eines robusten Anlageprogramms erfordert Zeit, Disziplin und vor allem Knowhow. Zwingend erforderlich ist hierbei neben einem langfristigen Anlagehorizont

 

  • die Definition/der Aufbau einer strategischen Assetallokation und gegebenenfalls die Erarbeitung eines Investmentprogramms,
  • die Portfoliokonstruktion mit Auswahl der einzelnen Investments sowie
  • die Überwachung der getätigten Anlagen.

 

Vor allem Unternehmerfamilien, Family Offices und Stiftungen müssen bei der Erstellung der individuellen strategischen Assetallokation für Private-Markets-Anlagen mehrere Dinge unter einen Hut bringen. Die individuellen Bedürfnisse, wie beispielsweise der Bedarf an ordentlichen Erträgen zur Ausschüttung, müssen berücksichtigt werden. Dazu gilt es, die jeweiligen Risiko-Rendite-Erwartungen sowie den Einsatz der Rückflüsse zu erörtern und alles schlussendlich mit der eigenen Governance-Struktur in Einklang zu bringen. Darüber hinaus muss die optimale Strategie zwischen rendite- und kapitalgewinnorientierten Anlagen gefunden und implementiert werden.

Kapitalgewinnorientierte Strategien wie Private Equity streben höhere Kapitalgewinne an und weisen bei einer höheren Volatilität tendenziell höhere Renditen auf. Ertragsorientierte Strategien wie Private Debt oder Infrastrukturinvestments zielen darauf ab, regelmäßige Einkommen zu generieren. Die optimale strategische Zusammenstellung kann dazu führen, schneller im Markt investiert zu sein. Dadurch bietet sich die Chance, die in diesen Investments typische „J-Curve“ zu verflachen, was bedeutet, dass die Zeitspanne von der Investition bis zur Rendite verkürzt wird.

Portfolios brauchen aktive Steuerung

In der Portfoliokonstruktion gilt es, die besten Investmentmanager zu identifizieren und zu selektieren. Dies geschieht auf Grundlage einer eingehenden Prüfung der einzelnen Manager sowohl nach quantitativen als auch nach qualitativen Kriterien. Neben einem sehr breiten Netzwerk erfordert dies eine langjährige und eingehende Marktexpertise. Die Performance-Unterschiede zwischen Top- und eher durchschnittlichen Managern sind teilweise beachtlich. Entscheidend ist hier der Zugang zu erfahrenen und im Markt gut vernetzten Anbietern.

Für ein langfristiges Standbein in dieser Anlageklasse ist es notwendig, konsequent und vor allem konsistent die Allokation zu ergänzen. Langjährige Kapitalverpflichtungen innerhalb eines mehrjährigen Programms sorgen für eine adäquate Diversifikation von Anbietern, Auflegungsjahren und Strategien.

Die regelmäßige Überwachung der getätigten Investitionen sowie das aktive Management der Ausschüttungen und deren Reinvestition runden den Portfolioansatz ab. Durch die Wiederanlage der Ausschüttungen finanziert sich ein Private-Markets-Portfolio im weiteren Lebenszyklus selbst und ergänzt dadurch auf ideale Weise die Assetallokation von Anlegern, insbesondere großer Vermögen.