Freitag, 01.06.2018
Gastbeitrag von Pawel Blusz

Fallstricke für die internationale Unternehmerfamilie

Die junge Generation studiert, lebt und arbeitet oft im Ausland. Besitzt sie bereits Unternehmens- und Vermögensanteile, hat dies steuerliche und rechtliche Folgen. Was ist zu beachten, um böse Überraschungen zu vermeiden.

Gesellschafter von Familienunternehmen werden immer mobiler. Manchmal beschließen sie, ihren Lebensmittelpunkt – zumindest für eine gewisse Zeit oder sogar dauerhaft – ins Ausland zu verlagern. Zum Beispiel wenn sie sich im Ausland eine höhere Lebensqualität erhoffen oder vor Ort für das Unternehmen tätig sein sollen. Manchmal werden aber auch Unternehmensanteile im Rahmen der Nachfolgeplanung auf jüngere Generationen übertragen, die global denken und deren Lebensplanung auch nicht vor Landesgrenzen Halt macht. Sie gehen beispielsweise zum Studieren in die Schweiz, sind zeitweise in Großbritannien tätig, kehren anschließend nach Deutschland zurück oder nehmen eine geschäftliche Opportunität in Südafrika wahr. Die Vorteile, die die Globalisierung für das individuelle Leben bietet, bringen gleichzeitig steuerliche und rechtliche Herausforderungen für deutsche Familienunternehmen mit sich.

Wegzugsbesteuerung und Entstrickung

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Pawel Blusz ist Rechtsanwalt und Steuerberater bei Rittershaus Rechtsanwälte, Mannheim.

 

Foto: Rittershaus Rechtsanwälte

Ist ein Gesellschafter an einem deutschen Unternehmen beteiligt und verlegt er seinen Wohnsitz ins Ausland, könnte dem deutschen Staat das Besteuerungsrecht an den Anteilen verlorengehen. Um dies zu verhindern, hat der deutsche Gesetzgeber Verhinderungsregelungen aufgenommen, die sog. Wegzugsbesteuerung und Entstrickungsbesteuerung. Demnach wird zum Zeitpunkt des Wegzugs eine steuerpflichtige Veräußerung der Beteiligung fingiert. Entscheidet sich nun ein Gesellschafter dafür, ins Ausland zu gehen, muss er den fiktiven Veräußerungsgewinn versteuern, obwohl ihm keine Liquidität zufließt. Reicht das Privatvermögen nicht aus, um die Steuer zu bezahlen, wird sich der Gesellschafter an die Gesellschaft wenden und gegebenenfalls andere Rücklagen ausschütten lassen.

 

Die Wegzugsbesteuerung wird aber nicht nur im Fall eines direkten Wegzugs des Gesellschafters ausgelöst. Hierzu kann es auch dann kommen, wenn der im Inland lebende Gesellschafter seine Beteiligung zu Lebzeiten oder im Todesfall auf seine im Ausland lebenden Kinder überträgt. Leben beispielsweise (potentielle) Erben des Gesellschafters in Südafrika, besteht bei dem Gesellschafter ein latentes Risiko einer Wegzugsbesteuerung, die automatisch eintritt, wenn er stirbt.

Gesellschaftsvertrag anpassen

Sitzt einer der Gesellschafter im Ausland, kann dies auch Auswirkungen auf den Inhalt des Gesellschaftsvertrages haben. So sehen viele Gesellschaftsverträge von Familienunternehmen eine sog. Güterstandsklausel vor, d.h. die Verpflichtung für die Gesellschafter, mit dem jeweiligen Ehegatten einen Ehevertrag abzuschließen, damit die Beteiligung im Scheidungsfall nicht berücksichtigt wird. Dieser Schutz des Familienunternehmens könnte aber dann ins Leere laufen, wenn die Ehe des im Ausland lebenden Gesellschafters einem ausländischen Ehegüterrecht unterliegt, das keinen Ehevertrag gestattet. In diesem Fall könnte sogar – je nach Gestaltung des Gesellschaftsvertrages – ein Ausschluss aus der Gesellschaft drohen bzw. andere Gesellschafter könnten dies bei Bedarf als Druckmittel benutzen.

 

Mit der zunehmenden Internationalisierung des Gesellschafterkreises kann auch die Beschlussfassung an die Grenzen stoßen, da nicht alle Gesellschafter persönlich zu Gesellschafterversammlungen anreisen werden und viele Gesellschaftsverträge keine oder nur eine Vertretung durch Rechtsanwälte, Steuerberater und Wirtschaftsprüfer erlauben. Viel praktikabler wäre eine Beschlussfassung auch im Wege von Telefon- und Videokonferenzen oder zumindest eine Lockerung von Vertretungsregelungen.

Steuerliche Folgen im Ausland

Lebt der Gesellschafter im Ausland, können sich aus seiner Beteiligung an einem deutschen Unternehmen verschiedene steuerliche Folgen ergeben. Ein gern übersehener Fall in der Praxis ist die Vermögensteuer, z.B. in der Schweiz, der auch deutsche Unternehmensanteile unterworfen sind und die eine jährliche Liquiditätsbelastung auslöst. Eine Wohnsitzbegründung im Ausland zieht häufig eine Erbschaftsteuerpflicht im Ausland nach sich. Deutschland hat nur wenige Doppelbesteuerungsabkommen auf dem Gebiet der Erbschaftsteuer abgeschlossen, und die nationalen Vorschriften können die Doppelbesteuerung nicht immer lösen.

 

Lebt ein Gesellschafter im Ausland, muss er seine Nachfolgeplanung meistens wegen seines Wohnsitzes am ausländischen Recht und wegen der Beteiligung an der deutschen Gesellschaft gleichzeitig auch am deutschen Recht ausrichten. Die jeweils tätigen Berater stimmen häufig ihre Empfehlungen nicht miteinander ab und denken nur in nationalem Recht und Grenzen. So kann beispielsweise der amerikanische Berater zum Einsatz eines Trusts raten, der aber im Gesellschaftsvertrag gar nicht vorgesehen ist. Eine Befreiung von der Federal Estate Tax in den USA für Familienunternehmen ist unbekannt. In solchen Fällen müsste der Gesellschafter entweder die Steuerbelastung im Todesfall in Kauf nehmen, oder er wäre auf die Zustimmung der anderen Gesellschafter angewiesen.

Ferienhaus als Betriebsstätte?

Schließlich ist zu beachten, dass auch ein Feriendomizil im Ausland durchaus problematisch sein kann. Die Eigenschaft als Gesellschafter-Geschäftsführer endet meistens nicht an der Grenze. Wickelt dieser von seinem Feriendomizil aus Geschäfte für das Unternehmen ab, kann dies zur Begründung einer Betriebsstätte im Ausland führen. Gewinne, die dieser ausländischen Betriebsstätte zugerechnet werden, unterliegen meist der Besteuerung im Ausland. Erfahrungsgemäß wird dies von der deutschen Finanzverwaltung anders gesehen als von den ausländischen Behörden. Streitpotential ist deswegen programmiert.

 

Die ausgewählten Beispiele zeigen, dass jeder Auslandsbezug auf der Gesellschafterebene eine zusätzliche steuerliche, rechtliche und technische Komplexität mit sich bringt. Mit der steigenden Mobilität der jüngeren Generationen werden solche Sachverhalte künftig zum Regelfall und sollten daher unbedingt berücksichtigt werden.