Donnerstag, 13.06.2019
Gastbeitrag von Philipp Kowollik

Anlagen in Zeiten des Wandels

Technologischer Fortschritt, veränderte Verbraucherpräferenzen und koordinierte staatliche Maßnahmen ebnen den Weg für ein neues Paradigma – die nachhaltige Industrialisierung. Das erfordert auch einen neuen Investmentansatz.
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Foto: retrorocket/iStock/ Getty Images Plus

Dank des technologischen Fortschritts zahlen wir für Solar-PV-Module heute weniger als ein Hundertstel dessen, was sie 1976 kosteten. Ausgehend von weiteren technologischen Verbesserungen, ambitionierten staatlichen Initiativen und einer entsprechenden Nachfrage, prognostiziert Bloomberg, dass der weltweit produzierte Strom bis 2050 zu 50 Prozent aus Solar- und Windkraft stammen wird.

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Philipp Kowollik ist Direktor Banken und Family Offices bei Columbia Threadneedle.

 

Foto: Columbia Threadneedle

Technologische Weiterentwicklungen sind auch wichtig, um komplexe Fragen der Gesundheitsversorgung zu adressieren und der Kostenexplosion in den staatlichen Gesundheitssystemen durch die alternde Bevölkerungen entgegenzuwirken. So kostete die Sequenzierung des ersten menschlichen Genoms im Jahr 2013 2,7 Milliarden US-Dollar, heute sind es nicht einmal mehr 1.000 US-Dollar.

 

Gleichzeitig werden vielen Menschen die Auswirkungen ihrer Konsumgewohnheiten auf Umwelt und Gesellschaft zunehmend bewusst. Die veränderten Gewohnheiten haben messbare wirtschaftliche Auswirkungen. Naturbelassene und ökologische Lebensmittel, Getränke und Kosmetika z.B. verzeichnen seit einigen Jahren ein robustes Umsatzwachstum. In den USA ist der Umsatz mit Bio-Lebensmitteln von 2014 bis 2017 um 13 Prozent pro Jahr gestiegen und damit deutlich schneller gewachsen als der gesamte Lebensmittelmarkt (lediglich plus 1 Prozent). Aber auch die Unternehmen reagieren auf das Interesse der Konsumenten an den umweltbezogenen und gesellschaftlichen Auswirkungen ihrer Produkte und betrieblichen Aktivitäten. In den acht Jahren bis 2017 ist der Anteil der Unternehmen im S&P-500-Index, die Nachhaltigkeitsberichte veröffentlichen, von 20 Prozent auf 85 Prozent gestiegen.

 

Vor allem aber beschäftigen sich inzwischen koordinierte politische Initiativen mit einigen der drängendsten Nachhaltigkeitsherausforderungen unserer Zeit, wobei auch neue Akteure Interesse an dem Thema zeigen. China z.B. führt zunehmend ehrgeizige Vorgaben zum Klimaschutz, zur Vermeidung von Umweltverschmutzung und zur Anwendung von Umwelttechnologien ein. Neben einzelnen Beispielen ist die Einigung auf globale Nachhaltigkeitsprioritäten seitens der internationalen Gemeinschaft ein bemerkenswerter Fortschritt. Dazu zählen insbesondere die 2015 von 193 Staaten verabschiedeten Ziele für nachhaltige Entwicklung der Vereinten Nationen (UN Sustainable Development Goals, SDGs), ein Aktionsplan mit 17 Zielen in den Dimensionen Menschen, Planet und Wohlstand, die bis 2030 erreicht werden sollen.

Nachhaltige Aktienstrategien

Mit Blick auf dieses neue Paradigma und die globale Nachhaltigkeitsagenda bieten sich spannende Anlagechancen für nachhaltig orientierte Investoren. Bis 2050 wird die Weltbevölkerung auf knapp zehn Milliarden Menschen anwachsen. Die globalen Agrarflächen sind aber begrenzt und könnten sogar schrumpfen, wenn die globale Erwärmung dazu führt, dass ehemalige Anbau- oder Weideflächen nicht mehr als solche nutzbar sind. Darüber hinaus verschärfen viele industrielle Anbaumethoden die negative Umweltwirkung.

Verschiedene landwirtschaftliche Lösungen können dieser negativen Entwicklung entgegenwirken und neue Anlagemöglichkeiten für Aktienanleger eröffnen. Unternehmen wie der US-Anbieter Trimble bieten Technologien für die Präzisionslandwirtschaft, durch die Landwirte mit einem geringeren Ressourceneinsatz höhere Ernteerträge erzielen können. Das mindert die negativen Umweltauswirkungen, indem es den Bedarf für chemische Dünge- und Pflanzenschutzmittel reduziert und den Wasserverbrauch um bis zu 30 Prozent senkt.

Ein weiterer Ansatz zielt auf Änderungen des Verbraucherbedarfs ab, z.B. weg von der Fleischproduktion. Klimawissenschaftler heben dies zunehmend hervor und verweisen z.B. auf Schätzungen, dass die Viehzucht-Lieferketten für 14,5 Prozent der vom Menschen verursachten globalen Treibhausgasemissionen verantwortlich sind. Das Interesse an der Verringerung des Fleischkonsums und die Suche nach Alternativen waren ein großes Thema im Jahr 2018 und dürften auch 2019 weiter im Mittelpunkt steht: In Großbritannien sorgte die Bäckereikette Greggs mit der Entwicklung einer veganen „Sausage Roll“ Anfang Januar für Schlagzeilen und große Resonanz in den sozialen Medien.

Die Verfolgung einer an Nachhaltigkeitskriterien ausgerichteten Aktienstrategie eröffnet die Möglichkeit, in Unternehmen zu investieren, die wirkungsorientiert agieren und gleichzeitig Potential für finanzielle Renditen bieten.