Donnerstag, 18.06.2020
Interview mit Andreas Reimer

Ist die Corona-Krise eine Chance für das Lebensmittelunternehmen Hengstenberg?

Die Pandemie trifft Familienunternehmen in allen Branchen. Andreas Reimer, CEO bei Hengstenberg, über Herausforderungen und Chancen der Krise.
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Was bedeutet die Corona-Krise aktuell/zukünftig für Ihr Unternehmen?

Für uns, wie auch für viele andere Unternehmen, ist die Corona-Krise eine der größten Herausforderung der über 140-jährigen Firmenhistorie. Wir tun alles dafür, die Gesundheit und Sicherheit unser Mitarbeiter zu schützen, einen Beitrag zur Aufrechterhaltung der Grundversorgung der Bevölkerung zu leisten und das Unternehmen vor wirtschaftlichem Schaden zu bewahren.

In den vergangenen Wochen, insbesondere im März, war die Nachfrage nach unseren Produkten, wie KNAX Gurken, Mildessa Sauerkraut und Rotkohl, Altmeister Essig oder ORO di Parma Tomatenprodukte außerordentlich hoch. Aktuell geht die Nachfrage wieder auf ein normales Niveau zurück, in einigen Kategorien fällt sie auch schon unter das Vorjahresniveau.

Die größte Herausforderung steht allerdings noch bevor: die Sicherstellung der Ernte, beginnend mit der Gurkensaison, die mit der Aussaat der Gurkenpflanzen in diesen Tagen begonnen hat. Auch wenn vieles zum aktuellen Zeitpunkt noch nicht sicher ist, so ist die Tendenz eindeutig: Es wird weniger Gurken zu deutlich steigenden Anbaukosten geben. Wir arbeiten eng mit unseren Partnern zusammen und ergreifen vielseitige Maßnahmen wie umfangreiche Hygiene- und Sicherheitskonzepte, um die Saison trotzdem so erfolgreich wie möglich zu gestalten. Auch die Rohwarenversorgung und Produktion für unsere ORO di Parma Produkte in Norditalien stellt uns vor große Herausforderungen. Norditalien zählt zu den besonders schwer betroffenen Gebieten, so dass wir auch für Tomaten mit einer geringeren Rohwaren-Versorgung im Vergleich zum Vorjahr rechnen. Diese Knappheit gepaart mit steigenden Kosten für Hygiene und Sicherheit führen zwangsläufig zu höheren Kosten. Wir werden gezwungen sein diese Preissteigerung an den Handel weiterzugeben, sowohl bei Tomaten als auch bei Gurken. 

Mit welchen Veränderungen/Maßnahmen haben Sie bisher auf die Krise reagiert?

Unsere Priorität ist die Gesundheit unserer Mitarbeiter, Familien, Kunden und der Gesellschaft, in der wir leben. Nur gemeinsam können wir diese Krise überstehen und die Ausbreitung des Corona-Virus verlangsamen. Daher haben wir basierend auf den Empfehlungen der Bundesregierung und des Robert-Koch-Instituts verschiedene Sicherheits- und Hygienevorkehrungen getroffen.

Ein Großteil der Belegschaft befindet sich im Homeoffice. Mitarbeiter deren Präsenz im Unternehmen erforderlich ist, werden möglichst weiträumig voneinander getrennt. Es wurde zum Beispiel ein Schichtsystem eingeführt. Sowohl interne als auch externe Meetings werden als Videokonferenzen abgehalten. Die Mitarbeiter werden kontinuierlich auf die Hygienemaßnahmen, wie gründliches Händewaschen oder Vermeidung von Kontakt zu anderen, hingewiesen. Zusätzlich wurden die Reinigungs- und Desinfektionszyklen der Gemeinschaftsräume erhöht.

Worauf liegt zur Zeit Ihr Fokus?

Unser Fokus liegt derzeit auf der Sicherstellung der Ernten, beginnend mit der Gurkenernte. Wir arbeiten seit vielen Jahrzehnten nachhaltig und partnerschaftlich mit deutschen Vertragslandwirten zusammen, die unsere Rohware direkt in unserer Region anbauen. Sie haben ihre Felder rund 20 Kilometer um unsere Werke in Bad Friedrichshall und Fritzlar.

Die Gurkenpflanzen werden in diesen Tagen durch die Landwirte auf den Feldern eingepflanzt. Es ist momentan nicht vollständig gesichert, dass unseren Gurken-Anbauern zur Ernte ausreichend befähigte und willige Arbeitskräfte zur Verfügung stehen. Ein weiterer Schwerpunkt unserer gegenwärtigen Arbeit ist die Rekrutierung der Saisonarbeitskräfte, die wir für unsere Produktion benötigen.

Andreas Reimer, Vorsitzender der Geschäftsführung, Hengstenberg GmbH & Co. KG, 500 Mitarbeiter

 

Foto: Hengstenberg GmbH & Co. KG

Info

Dieser Artikel ist Teil unserer Reihe "Zwischen ­Krise und Chance: Wie ­erleben Sie die Coronavirus-­Pandemie?" in der wir Familienunternehmer befragt haben, wie sie persönlich und unternehmerisch mit der Krise umgehen.

 

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