Donnerstag, 06.12.2018
Fokus_Im Aufwind

Hexacopter von BEE: Brisante Mischung

Ein Gründer, ein Berater und zwei Familienunternehmer finden zusammen, um in die Entwicklung eines Flugkörpers zu investieren. Die Hoffnung ist groß. Die Bandbreite an Persönlichkeiten der Protagonisten auch. Gibt es eine Zukunft?
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Hohes Risiko, hohes Ertragspotential: Der Hexacopter von BEE appliance braucht eine zweite Finanzierungsrunde.

 

Foto: BEE appliance

Nein, kein Flugtaxi! Felix Arnold möchte sich nicht falsch verstanden fühlen. Er ist Entwickler eines Geräts, das bemannt oder unbemannt fliegt und eine Nutzlast von 60 Kilogramm für mehr als zwei Stunden transportieren kann: eines Hexacopters mit Hybridantrieb. Das Einsatzgebiet: große Flächen in großen Märkten, zum Beispiel im sogenannten Precision Farming, mit dem in Ländern wie Brasilien, Indien oder Russland bereits immense Flächen „beackert“ werden. Das Problem: Bislang gab es nur Konzepte, Berechnungen und Zeichnungen des Flugkörpers. Der Prototyp soll nun Ende des Jahres 2018 aus der Garage fliegen.

Felix Arnold ist Ingenieur, Segelflieger, spezialisiert auf Fluiddynamik und mehrfacher Gründer. Er kennt die Technologie und die Wettbewerber in der Drohnenentwicklung, er bringt ein Netzwerk an internationalen Zulieferern mit. „Ich kenne den Markt, und ich verstehe etwas von Intellectual Property“, bringt er seine Kompetenz auf den Punkt. Mit seinen 58 Jahren ist er ein erfahrener Gründer. Nur zweierlei fehlten ihm bislang: ausreichend Kapital und der erste Kunde.

Das Kapital kam zuerst. Im März 2017 gründete er mit C. H. Reynolds Corporate Finance die BEE appliance GmbH, deren alleiniger Geschäftsführer er ist. Im März 2018 wurde der Gesellschafterkreis erweitert. Beteiligungsvolumina und -quoten verraten die Gründer nicht. Nur so viel: Felix Arnold ist Mehrheitsgesellschafter, es folgen der Beteiligungsgröße nach der Familienunternehmer Tom Rüggeberg (79), die Biersack Gruppe und der Corporate-Finance-Spezialist.

Drei Ingenieure und ein M&A-Experte

Zwar glauben alle an dieses eine neue Produkt, teilen die Vision, dass die Zukunft der Logistik in der Luft liegt, teilen das Ziel, ganz vorne mit einer bahnbrechenden Technologieinnovation dabei zu sein. Aber sie trennen unterschiedliches Know-how und unterschiedliche Motivationen – und daher sieht sich jeder in seiner Verantwortung jeweils ein wenig anders als die anderen.

Tom Rüggeberg nimmt privates Geld in die Hand. Auch er ist Ingenieur, leitete 40 Jahre lang gemeinsam mit seinem Vetter die August Rüggeberg GmbH, einen Werkzeughersteller mit über 1.800 Mitarbeitern, einem Umsatz von 300 Millionen Euro und einer Historie, die bis ins 19. Jahrhundert zurückreicht. „Ich bin der, der den Finger in die Wunde legt, der unangenehme Fragen stellt – meist dann, wenn sich die drei eigentlich einig sind über etwas“, beschreibt er seine Rolle.

Bei der Biersack Gruppe geht es um weit mehr als um ein privates Investment. Maschinenbauingenieur Michael Biersack (34), Geschäftsführender Gesellschafter des Systemlieferanten mit 150 Mitarbeitern und einem Umsatz von 18 Millionen Euro, leitet das Unternehmen gemeinsam mit seinem Cousin in dritter Generation. Größter Abnehmer der Familienfirma ist mittlerweile die Luftfahrtindustrie, die gut die Hälfte zum Umsatz beisteuert. Den Grund für seine Beteiligung benennt Michael Biersack ganz klar: „Wir sind verantwortlich für die Zukunftsstrategie. Mit der Investition in BEE appliance entwickeln wir unser Geschäftsmodell weiter.“ Biersacks Beitrag: Das Unternehmen stellt die Hallen und die Mitarbeiterexpertise für den Bau des Prototyps bereit und verfügt über ein Netzwerk zu hochrangigen Vertretern aus der Luftfahrt.

Und schließlich investiert noch C. H. Reynolds, deren Partner Felix Arnold beim Verkauf seiner ersten Firma im Jahr 2009 an Bosch beraten hatten. Aus den Augen haben sie sich nie verloren. Partner Felix Hoch (53) bringt sein Know-how für Transaktionen und Unternehmensbewertungen ein. Unter den drei Ingenieuren ist er der Analyst, dessen Verhandlungserfahrungen alle Beteiligten an einem Tisch zusammenbringt und -hält.

„Ich sah nicht, dass wir zusammenfinden“, erinnert sich Tom Rüggeberg an die ersten Begegnungen. Da es noch kein fertiges Produkt gab, nichts zum Anfassen und Anschauen, war die eingebrachte Vorarbeit von Felix Arnold schwer zu bewerten. Und wie sollten zukünftige Potentiale beurteilt werden? „Das ist nicht einfach mit einer Formel zu berechnen“, sagt Felix Hoch. „Die Diskussionen waren mühsam, aber immer konstruktiv.“

Großinvestor gesucht

Jetzt steht die nächste Finanzierungsrunde an. Ein Team von etwa zwölf Mitarbeitern steckt in den letzten Zügen mit dem Hexacopter. Mit dem Prototyp und dem Jungfernflug erhoffen sich die Gesellschafter einen potenten Investor, der zugleich bodenständig und visionär sein soll. Die Frage nach den Kapitalbeteiligungsquoten wird wieder akut. „Ich klebe nicht an der Mehrheit“, sagt Felix Arnold. „Ich plädiere aber jetzt schon dafür, dass die Firma Biersack mehr Gewicht erhalten sollte.“ Er arbeitet operativ am engsten mit Michael Biersack zusammen, im Arbeitsalltag am Standort Beilngries in Oberbayern entscheiden die beiden viel gemeinsam.

Der Wunschinvestor? Die Herren zögern, schauen sich an und lachen. „Ideal wäre ein einzelner finanzstarker Investor“, sagt Felix Hoch. „Es muss nicht unbedingt wieder ein Familienunternehmer sein“, ergänzt Felix Arnold. „Ein institutioneller Investor würde eine andere Art von Professionalität mitbringen“. Und Michael Biersack antwortet, wie ein Mittelständler in der Regel glasklar antwortet: „Wir brauchen den ersten Kunden – gern auch als Wunschpartner sozusagen.“

Die Suche läuft auf Hochtouren. Der Markt für die Entwicklung von Flugrobotern brodelt, viele Köpfe tüfteln an Lösungen für den straßen- und schienenunabhängigen Transport. Die Hoffnung von BEE appliance, mit dem Prototyp sichtbarer und somit attraktiver für Investoren zu werden, steigt. Der Druck für das Abschließen der nächsten Finanzierungsrunde und für den Zusammenhalt der Altgesellschafter allerdings auch. Tom Rüggeberg bleibt optimistisch: „Wagemut, Chemie und Begeisterungsfähigkeit haben uns beim ersten Mal schließlich auch zusammengeschweißt.“ K