Donnerstag, 01.11.2018
Fokus_Next generation

Gründersöhne im Unternehmen: Keine Alleinherrscher

Obwohl ihnen alle Tore offenstanden, kehrten die Gründersöhne Christian Rödl und Goetz Hertz-Eichenrode an die Wirkungsstätten ihrer Väter nach Nürnberg und Hannover zurück. Warum?
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Wie gehen Söhne mit ihrer Rolle als Nachfolger ihrer Väter um?

 

Foto: Jrcasas/iStock/Thinkstock/Getty Images

Christian Rödl (49) hat in Deutschland, Frankreich und den USA studiert. Er wurde Notarassessor, aber die Arbeit war ihm zu stark reguliert. Danach heuerte er bei der amerikanischen Sozietät Baker McKenzie an. Das war Ende der neunziger Jahre. „Der Neue Markt boomte, wir hatten auch viele amerikanische Mandanten, harte Arbeitszeiten. Es hat Spaß gemacht!“, resümiert der Rechtsanwalt. In jener Zeit entdeckte er seine Faszination für die steuerliche Gestaltung von grenzüberschreitenden Transaktionen. Noch heute lehrt er als Honorarprofessor an der Universität Erlangen-Nürnberg internationales Steuerrecht.

Auch Goetz Hertz-Eichenrode (42) war viel im Ausland unterwegs. Er studierte internationale Betriebswirtschaft, arbeitete als Steuerberater und Wirtschaftsprüfer bei den Transaktionsberatern von Deloitte und einer europäischen Private-Equity-Gesellschaft. Und er machte Praktika im Silicon Valley. „Alles rund um das Investmentbanking hat mir viel Spaß gemacht.“

Keine Nachfolgeambitionen

Die Karrieren der beiden schienen vielversprechend. Dennoch haben sich beide entschieden, in die Fußstapfen ihrer Väter zu treten. Christian Rödl ist heute Vorsitzender der Geschäftsführung der weltweit tätigen Wirtschaftsprüfungs- und Steuerberatungsgesellschaft Rödl & Partner, Goetz Hertz-Eichenrode Vorstandsvorsitzender des Eigenkapitalgebers HANNOVER Finanz.

Goetz Hertz-Eichenrode war sich lange nicht sicher, ob er die Nachfolge antreten wollte. Gewiss, er erinnert sich gern an seine Kindheit und Jugend zurück, als man Unternehmer wie Dirk Roßmann oder Günther Fielmann zu gemeinsamen privaten Abendessen traf. „Da gab es auch meist einen Kindertisch.“ Bis heute verbinden ihn enge Bande mit der jungen Generation der Unternehmer, in die die HANNOVER Finanz Eigenkapital investierte. „Ich war zwar offen. Aber ich war mir nicht klar, ob ich in der Gesellschafterstruktur Nachfolger werden möchte.“ Familie Hertz-Eichenrode ist nach Hannover Rück mit 22 Prozent zweitgrößter Teilhaber, der Rest verteilt sich auf verschiedene Finanzdienstleister.

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Prof. Dr. Christian Rödl ist Vorsitzender der Geschäftsführung von Rödl & Partner. Mandanten an 111 eigenen Standorten in 51 Ländern werden vom Unternehmen betreut. Von den insgesamt 4.700 Mitarbeitern arbeitet weniger als die Hälfte in Deutschland.

 

Foto: Rödl & Partner

Auch Christian Rödl hatte nicht geplant, seinem Vater in die Firma zu folgen. Er hat immerhin fünf Geschwister, die meisten sind Juristen, Kaufleute und Ärzte. „Es gab und gibt bei uns keine Erbhöfe. Das hat auch mein Vater stets betont“, sagt er. „Außerdem hatte unser Vater geradezu Angst, uns zu beeinflussen.“ Das Aufwachsen in einer Unternehmerfamilie prägt dennoch. „Frustration, Begeisterung, Höhen und Tiefen beim Firmenaufbau habe ich miterlebt“, erinnert sich Christian Rödl.

 

Die Väter Bernd Rödl und Albrecht Hertz-Eichenrode sind beide Pioniere in ihrer Branche, haben große Fußspuren hinterlassen. Aber sie wirkten auch in Branchen, in denen exzellente Köpfe und exzellente Netzwerke für den Geschäftserfolg entscheidend sind. Sie waren abhängig von der Expertise ihrer Führungskollegen, Partner und Teilhaber. Und das Geschäftsmodell war nicht so spitz auf sie zugeschnitten, wie das bei manch anderen Gründern der Fall ist. Das erklärt auch, warum sich beide – eher untypisch für Gründer – an ihren Zeitplan für den Rückzug aus dem operativen Geschäft gehalten haben. Für die Junioren ein zentrales Argument, im Familienunternehmen zu arbeiten.

Nacheinander oder miteinander?

Albrecht Hertz-Eichenrode hat sich pünktlich wie vereinbart mit 65 Jahren aus dem Vorstand verabschiedet: Im Jahr 2009 wechselte er in den Beirat, sein Sohn Goetz trat in den Vorstand ein. Zwei Jahre vor seinem Ausstieg hatte er einen Personalberater gebeten zu helfen. „Mir war nicht klar, wie wir vorgehen sollten. Wie kann ich als Vater beurteilen, ob mein Sohn die richtigen Voraussetzungen mitbringen sollte?“, erläutert Albrecht Hertz-Eichenrode sein Vorgehen. Der Personalberater führte Interviews mit den zu jener Zeit aktiven Vorständen, mit den Mitgliedern des Beirats, mit Vater und Sohn. Allein entscheiden konnte Albrecht Hertz-Eichenrode über seine Nachfolge nicht. Und Zwist in der operativen Zusammenarbeit zwischen Vater und Sohn sollte es nicht geben.

Bernd und Christian Rödl mussten sich dagegen im Miteinander gut zehn Jahre bewähren. Der Vater wollte in den USA einen Standort aufbauen und fragte seinen Sohn, ob er ihn unterstützen könne. Im Jahr 1999 stieg Christian Rödl daher dann doch ein – in einem eigenen Bereich, den er selbst entwickeln und aufbauen sollte. „Mein Vater war nicht mein Chef, das war gut“, resümiert er heute. „Wir haben zwar einen Nachfolgeplan ausgearbeitet. Aber es war für beide nicht immer einfach, sich zu 100 Prozent an die Vereinbarungen zu halten. Toleranz und Verständnis füreinander haben geholfen, dass die Nachfolge trotzdem geklappt hat.“ Ende 2010 verabschiedete sich sein Vater aus der Geschäftsführung.

Pionierarbeit erneut gefragt

Christian Rödl ist heute Mehrheitsgesellschafter, drei Partner halten weitere Anteile. Die Hierarchien in den Führungsebenen sind flacher geworden, sechs geschäftsführende Partner bilden den engsten Führungskreis. Die Bedenken von Goetz Hertz-Eichenrode gegenüber der Anteilsverteilung sind mittlerweile ausgeräumt. „Unsere Gesellschafterstruktur sorgt für Stabilität und Professionalität. Ich habe viel mehr Freiräume, als ich anfangs dachte“, resümiert er

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Goetz Hertz-Eichenrode ist Vorstandsvorsitzender der HANNOVER Finanz Gruppe. Das betreute Kapital beläuft sich auf rund 700 Millionen Euro. 35 Firmen in Deutschland und Österreich gehören zum Portfolio.

 

Foto: Jens Schulze

Beide Nachfolger haben von ihren Vätern gelernt, dass man gestalten kann, ohne Alleinherrscher und Alleinentscheider zu sein. Gemeinsam mit seinem Vorstandskollegen Jürgen von Wendorff hat Goetz Hertz-Eichenrode viele Neuerungen angepackt.

 

„Es gibt doppelt so viele Private-Equity-Firmen als noch vor 20 Jahren. Wie müssen wir uns aufstellen, um im Markt erfolgreich zu sein? Was muss Private Equity anders machen?“, fragt er und gibt gleich selbst die Antwort: „Schneller prüfen, operativ tiefer prüfen, operativ exzellent arbeiten.“

 

Das Modell des reinen Financial Engineering habe keine Zukunft mehr. Neben dem klassischen Mittelständler mit ungelöster Nachfolge brauchen immer mehr etablierte Start-ups aus der IT- und Softwarebranche Eigen- und Wachstumskapital. „Wir haben mittlerweile einen sehr guten Mix aus Kollegen mit Erfahrungen aus Industrie, Digitalisierung und Finanzanalytik“, sagt er.

Junge Firmen und internationale Investoren rücken auch in den Fokus von Christian Rödl. „Transaktionen und Beteiligungen in digitale Geschäftsmodelle müssen auch rechtlich, bilanziell und steuerrechtlich begleitet werden.“ An der Strategie, die das Unternehmen erfolgreich machte, deutsche Familienunternehmen ins Ausland zu begleiten, hält Christian Rödl aber fest.

Christian Rödl ist zwar Mehrheitsgesellschafter, aber er ist wie sein Vater kein Alleinentscheider. Die Hierarchien in den Führungsebenen sind flacher geworden, sechs geschäftsführende Partner bilden den engsten Führungskreis, drei Partner halten weitere Anteile.