Mittwoch, 09.01.2019
Burgers’ Zoo in den Niederlanden

Die lange Reise

Der älteste private Zoo in den Niederlanden wird in der vierten Generation geführt. Alex van Hooff wollte nach seinem Wirtschaftsstudium eigentlich in einem großen Unternehmen arbeiten. Heute ist er stolz, den elterlichen Betrieb ohne staatliche Mittel zu führen und sich für Arten- und Naturschutz einzusetzen.
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Seit den achtziger Jahren hat Burgers' Zoo in den Niederlanden Tiere und Pflanzen aus fernen Regionen. Antoon van Hooff, Vertreter der dritten Unternehmergeneration, musste dadurch in der Gestaltung des Tierparks umdenken.

 

Foto: Johannes Sill

Es ist ein heißer Tag im August. Die Schwarzfußpinguine wackeln ungeduldig auf ihrem kleinen Felsen hin und her. Gleich hat der Pfleger ihr Becken sauber geschrubbt, gleich wird er den Hahn aufdrehen und sie alle zum Vollbad rufen. Alex van Hooff sieht das Treiben da unten von seinem Bürofenster aus. Er würde wohl auch gern mit hineinspringen.

Ganz Europa stöhnt unter einer ungewöhnlichen Hitze. Unter seinem Büro läuft eine – für einen Ferientag im Sommer – etwas zu überschaubare Zahl Besucher durch die Drehtür. Alex van Hooff sieht es gelassen: „Ja, natürlich könnten es mehr sein, aber wir sind das gewohnt. Aufs Jahr gesehen, hebt sich das schon wieder auf.“ Wenn man mit ihm spricht, kann man noch den Geist der ersten Generation spüren. Wie so oft bei Familienunternehmen steht ganz am Anfang ein Macher, ein irgendwie Verrückter, einer, der sich nicht beeindrucken lässt von Angsthasen und Besserwissern, einer, der an die Sache glaubt und wie besessen dafür arbeitet.

Im Falle von Burgers’ Zoo, der heute 180 feste Mitarbeiter beschäftigt – in der Hochsaison im Sommer kommen 120 freie Mitarbeiter hinzu – war das Johan Burgers, der Urgroßvater von Alex van Hooff. Aufgewachsen in der Nähe der deutschen Grenze, strolcht er schon als Kind durch den Wald Montferland auf der Suche nach seltenen Vögeln. Ein paar Jahre später türmen sich die Fasane, Gänse, Hühner und Vögel im Garten hinter seiner Metzgerei. Er pflegt sie liebevoll, züchtet und verkauft so erfolgreich, dass der Garten bald aus allen Nähten platzt. Kurz nach 1900 erwirbt er deshalb Grundstücke in ’s-Heerenberg am Fuße von Montferland und baut darauf seine Fasanerie „Buitenlust“, die es bald zu reichlich Bekanntheit bringt. „Mein Uropa war ein so rastloser und neugieriger Kerl mit unzähligen Ideen“, erzählt van Hooff, „dass aber aus der Fasanerie einmal ein Zoo mit 45 Hektar und jährlich 1,2 Millionen Besuchern werden würde, das hat er sicher nicht zu träumen gewagt.“

Dann aber passiert etwas, das die Welt bis dahin noch nicht gesehen hatte: In Hamburg eröffnet Carl Hagenbeck 1907 erstmals einen Tierpark mit Freianlagen – sogar für Raubtiere. „Fasziniert von dem Konzept einer für damalige Verhältnisse artgerechteren Haltung, musste Johan dahin reisen und die Mitarbeiter vor Ort ausfragen“, lacht der Urenkel heute. Johan kommt mit einem Kopf voller Pläne und mit einem Herzen voller Tatendrang wieder nach Hause. Er kauft sich eine Tierenzyklopädie, lernt im Selbststudium die Bauweise authentisch wirkender Felsen und Wassergräben; er zeichnet, skizziert, verwirft und plant neu; er ignoriert die Bedenkenträger und kauft noch mehr Land zu seiner bunten Fasanerie hinzu.

Einblicke in die Historie von Burgers' Zoo

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Foto: Burgers' Zoo
Alex van Hooff, Zoo Niederlande, ältester Zoo, Naturschutz, Antoon van Hooff, van Hooff Zoo, Zoo Familienunternehmen, Familienunternehmen Niederlande, Familienunternehmen, Janet Schönfeld, Artenschutz, Zoo nachhaltig, Schwarzfußpinguine, Carl Hagenbeck, Zoo Hagenbeck, Burgers’ Zoo, FBNed, FamilieBedrijven Nederland, Arnhem, Arnhem Zoo, Tierpark ArnhemSo sah der Eingang zum Tierpark im Jahre 1938 aus.

Foto: Burgers' Zoo
Alex van Hooff, Zoo Niederlande, ältester Zoo, Naturschutz, Antoon van Hooff, van Hooff Zoo, Zoo Familienunternehmen, Familienunternehmen Niederlande, Familienunternehmen, Janet Schönfeld, Artenschutz, Zoo nachhaltig, Schwarzfußpinguine, Carl Hagenbeck, Zoo Hagenbeck, Burgers’ Zoo, FBNed, FamilieBedrijven Nederland, Arnhem, Arnhem Zoo, Tierpark ArnhemEin Bild von 1956: die zweite und dritte Generation des Familienunternehmens im Zoo.

Foto: Burgers' Zoo
Alex van Hooff, Zoo Niederlande, ältester Zoo, Naturschutz, Antoon van Hooff, van Hooff Zoo, Zoo Familienunternehmen, Familienunternehmen Niederlande, Familienunternehmen, Janet Schönfeld, Artenschutz, Zoo nachhaltig, Schwarzfußpinguine, Carl Hagenbeck, Zoo Hagenbeck, Burgers’ Zoo, FBNed, FamilieBedrijven Nederland, Arnhem, Arnhem Zoo, Tierpark ArnhemIm Jahr 1988 eröffnet Burgers' Zoo das Themengebiet Busch, welches von Antoon van Hooff ins Leben gerufen wurde.

Foto: Burgers' Zoo

Der Zoologische Garten Münster schenkt ihm Wölfe, von Hagenbeck kauft er Kamele, Lamas und Steinböcke, und einheimisches Rotwild bekommt seinen Platz neben Amerikanischen Bisons, Antilopen und Buckelrindern. Johans schöpferische Energie überträgt sich auf Freunde und Familie, auch seine Frau und seine drei Töchter packen mit an. Und dann, im März 1913, ist es geschafft: Er eröffnet den ersten privaten Tierpark der Niederlande.

Bis heute ist der Zoo ein Familienbetrieb, der sich komplett selbst trägt, ohne Unterstützung von öffentlicher Hand, ohne Sponsoren. „Nur einmal in den vergangenen 105 Jahren gab es eine Innovationssubvention für das Dach unserer Urwaldhalle, weil eine solche Konstruktion bis dahin weltweit einzigartig war“, sagt Alex. Sein Vater Antoon van Hooff wollte damals in den achtziger Jahren den Regenwald in all seiner Vielfalt aus Pflanzen, Tieren, Bakterien, Wasser, Licht, Luft und Mineralien nach Arnheim holen. In einigen Testjahren sammelt er Erfahrungen mit der Bodenbeschaffenheit, mit Klimakontrolle, Krankheitsbekämpfung, Pflanzenbeschneidung und vor allem mit den Auswirkungen freilebender Tiere auf die Vegetation und aufeinander

Welche Raupe von welchem Schmetterling frisst welche Pflanze? Und welcher Vogel frisst welchen Schmetterling? Kann eine Fortpflanzung ohne menschlichen Eingriff gelingen? Antoon und sein Team lösen diese Fragen und Probleme, und die Urwaldhalle wird im Juni 1988 eröffnet. Damit ändert sich die Art der Präsentation, wird der Besucher zum Entdecker und erlebt in einem natürlichen Biotop das Zusammenspiel von Flora und Fauna.

Höhen und Tiefen

Johan Burgers hat seine Neugier und seinen Pioniergeist an die heutige Generation weitergegeben. Alex van Hooff ist damit aufgewachsen. Sein Spielplatz war der Zoo, jeden Tag. Er hat kleine Äffchen mit der Flasche aufgepäppelt, hat Geburten von Giraffen gesehen und ist mit seinen Freunden auf den Wassergräben der Schimpansen Schlittschuh gefahren. Und dennoch war es nie selbstverständlich, dass er in die Fußstapfen seiner Eltern Antoon und Greet treten würde. „Meine beiden älteren Schwestern fanden ihre Berufungen außerhalb des Tierparks, und ich wollte mich nach meinem Ökonomiestudium eigentlich der Welt der großen Wirtschaft zuwenden“. Er betont das „groß“ und muss schmunzeln. Burgers' Zoo war schließlich schon lange kein Hobby mehr, sondern ein stattlich gewachsener Betrieb. Warum dann nicht bleiben?

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Zwei Vertreter der dritten Unternehmergeneration: Antoon van Hooff († 2004) und seine Frau Greet.

 

Foto: Burgers' Zoo

Druck, die Nachfolge zu übernehmen, haben die Eltern nie ausgeübt, sie haben nicht mal gefragt. Sie haben ihre drei Kinder das tägliche Geschäft eines Familienbetriebes so intensiv wie möglich miterleben lassen, mit allen Sonnen- und Schattenseiten. Einen Dschungel, eine Savanne oder ein tropisches Korallenriff hinter dem Wohnhaus zu haben ist das eine. Tiere sterben zu sehen, Investitionen zu planen, durch Durststrecken zu schwimmen oder Mitarbeiter zu entlassen ist das andere.

 

Alex beginnt 1998 im Betrieb der Eltern. Drei Jahre später heiratet er Bertine, ein Mädchen, aufgewachsen in einem Milchviehbetrieb zwischen Ponys, Kälbern und Lämmern, das inzwischen Jura studiert. 2004 stirbt Vater Antoon plötzlich und viel zu früh im Alter von 67 Jahren – und Alex und Bertine übernehmen die Leitung. Er regelt die täglichen Geschäfte, die Versorgung der Tiere und die Baustellen; sie kümmert sich um Arbeitspläne, Events und Personalangelegenheiten.

Forschung vorantreiben

Viel Zeit zum Einarbeiten blieb den beiden nicht. Es war anfangs nicht leicht, einen inzwischen so beachtlich gewachsenen Betrieb zu führen. Inzwischen gab es weitere Ökosysteme wie die Wüste und den Ozean. Burgers' Zoo ist eine Bildungseinrichtung auf hohem Niveau geworden – für Schulen und Universitäten, mit Wissenschaftskonferenzen zu Themen wie Pflanzenkunde, Tiergesundheit oder Zootechnik – und engagiert sich in den verschiedensten Natur- und Tierschutzprojekten auf der ganzen Welt.

In dieses vielschichtige Unternehmen sind nun die jüngsten Sprösslinge der Familie hineingewachsen. Alex und Bertine van Hooff wollen auch keines ihrer drei Kinder – alle im Teenageralter – zu einer Nachfolge drängen, sondern ihnen das Geschäft auf die gleiche Weise nahebringen, wie Alex es damals erfahren hat. Die Familie findet so Stück für Stück gemeinsam heraus, was welchem Kind liegt und wohin die Reise gehen könnte. Burgers' Zoo ist außerdem Mitglied bei FBNed – FamilieBedrijven Nederland, einem Netzwerk, das große und kleine Familienunternehmen und verschiedene Generationen mit ihren Sorgen und Herausforderungen zusammenbringt. Auch ein Beirat aus fünf unabhängigen Personen steht dem Betrieb in Fragen zum Generationswechsel, zu Finanzen, zu wirtschaftlichen Trends oder zu Personalangelegenheiten zur Seite.

Wenn alles so schön rundläuft, was wünscht sich Alex van Hooff für die Zukunft? „Geld ist nur das Mittel, nicht das Ziel. Mir liegt am Herzen, dass wir wie unsere Vorfahren langfristig und in Generationen denken und mindestens nochmal 105 Jahre weitermachen. Und dass wir uns auf dem Gebiet des Naturschutzes kontinuierlich fortentwickeln.“