Donnerstag, 07.03.2019
Das Start-up Küchenbrüder

Auf die Suppe gekommen

Das Start-up Küchenbrüder füllt allmählich die großen Supermärkte mit nachhaltig produzierten Bio-Fertigsuppen. Hinter der Suppenproduktion stecken aber mehr als vier normale Gründer. Die Brüder Tress führen die Familientradition in der Landwirtschaft fort – aber setzen mit Crowdfunding neue Maßstäbe.
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Haben ihre Rollen gefunden: aus Daniel wurde der Tourismusminister, TV-Koch Simon ist Außenminister, Steuerberater Christian Wirtschaftsminister und Dominik ist Strategieminister des Start-ups Küchenbrüder (v.l.n.r.).

 

Foto: Küchenbrüder

Die „Fashion Week“ steht für die meisten wohl für ausgefallene Klamotten in flippigen Farben, kaum alltagstaugliche Frisuren und extrovertierte Designer. Im Januar gab es abseits der Laufstege in Berlin allerdings etwas ganz und gar Untypisches: eine frische Fertigsuppe aus Süddeutschland.

„Sie passt gut hierher, diese Suppe“, findet Dominik Tress. Er ist verantwortlicher Geschäftsführer – sozusagen Strategieminister – des Start-ups Küchenbrüder, das als eine Marke der TRESS Lebensmittel GmbH & Co. KG im Jahr 2010 gegründet wurde. Doch merkt man gleich: Konventionell geht es in Hayingen-Ehestetten, fernab von jeglichem Großstadttrubel auf der Schwäbischen Alb, nicht zu. Von dort kommt die Suppe aus den kleinen Kartonverpackungen. Ein durch und durch ehrliches Produkt, sagt Tress. Die Verpackung ist fast komplett recycelbar, die Zutaten kommen aus der Region. Produktion und Befüllung geschehen vor Ort in dem 500-Seelen-Dorf. „Genau das, auf was die junge Generation auf der ‚Fashion Week‘ immer mehr achtet: Nachhaltigkeit und Ernährung“, erklärt Tress.

Der deutsche Markt für Biolebensmittel wächst stark. Im Jahr 2017 stieg er laut Bund Ökologische Lebensmittelwirtschaft auf einen Umsatz von 10 Milliarden Euro. Ein Wachstum von 5,9 Prozent im Vergleich zum Vorjahr. Und die Küchenbrüder sind mit viel Selbstvertrauen mittendrin: Die Schwaben bezeichnen sich als Marktführer im Segment „frische Bio-Suppen“.

Die vier Gründerbrüder Christian, Daniel, Simon und Dominik Tress haben das Rad aber nicht neu erfunden oder springen wie viele andere gar auf den Bio-Trend auf. Im Gegenteil: Ihr Großvater Johannes Tress senior entschied in den fünfziger Jahren, auf seinem kleinen Hof nach Demeter-Richtlinien zu wirtschaften. In der Nachkriegszeit kein konventioneller Schritt. „Seinen Betrieb umzubauen, sich zertifizieren zu lassen und in Kauf zu nehmen, langsamer und unter strengen Richtlinien zu arbeiten, war ein enormes Risiko für meinen Opa,“ sagt Dominik Tress. Der Großvater war seiner Zeit voraus und etablierte sich als Demeter-Hof mit kleinem Bio-Gasthof. Sein Sohn Johannes Tress junior verschrieb sich ebenfalls der Nachhaltigkeit und erweiterte den Betrieb 1995 um das Biohotel ROSE.

Klumpenrisiko Wochenende

Nach dem plötzlichen Tod des Vaters im Jahr 2008 einigten sich die vier Söhne, das Familienunternehmen in dritter Generation gemeinsam zu führen und das Geschäftsmodell weiterzuentwickeln. Neben nun drei Biorestaurants, dem Biohotel, zwei Eventlocations und dem Betrieb des Ausflugziels Wimsener Höhle beliefern die Tress-Brüder ebenfalls Biomärkte in Süddeutschland mit Mittagstisch. So möchten sie das Klumpenrisiko Wochenende verringern, das beim Betrieb der Restaurants entsteht, der bis heute einen Löwenanteil des Umsatzes ausmacht. Diese Geschäftszweige sind unter der TRESS Gastronomie GmbH & Co. KG verortet. Zusammen mit der Lebensmittelsparte erwirtschaften die beiden Unternehmen insgesamt 10 Millionen Euro Umsatz im Jahr und beschäftigen 65 Mitarbeiter.

Dabei bleiben die Brüder der Grundhaltung ihrer Vorväter treu: In den Restaurants gibt es keine Softdrinks, und die Speisekarte besteht jeweils zur Hälfte aus vegetarischen Speisen und Fleischgerichten.

 

In der Küche gilt die Maxime: Jedes Tier verdient Wertschätzung und wird komplett verarbeitet. „Jeder Koch kennt das Tier, das er zubereitet, beim Namen,“ versichert Dominik Tress, mit 32 Jahren der jüngste Bruder. Äquivalent zur Nachhaltigkeit im Restaurant gibt es im Kiosk an der Höhle keine konventionellen Schokoriegel. Die Veranstaltungsorte sind ebenfalls zertifiziert und das Catering dort ist selbstverständlich bio.

Doch so einfach waren die vergangenen Jahre für die Brüder nicht. Bis die Fertigsuppen flächendeckend in den Supermärkten in ganz Deutschland zu finden waren, dauerte es knapp sieben Jahre. Langer Atem war nötig, und Dominik Tress sagt klar, dass das Projekt ohne den Zusammenhalt der Familie kaum zu realisieren gewesen wäre.

Dabei war die geschmackliche Reife des Produkts beim Markteintritt weniger das Problem. Vielmehr passte die Verpackung der Suppe in Plastikbechern nicht zum Selbstverständnis des Unternehmens und verfehlte somit auch die Bio-Bedürfnisse der Zielgruppe. Im Jahr 2017 stellten die Brüder daher die Verpackung der Suppen komplett auf den Kopf. „Das war eine Operation am offenen Herzen, weil die komplette Produktion dafür ausgelegt war, dass wir in Plastikbecher verpacken. Die Regularien, die unser Produkt erfüllen muss, das im Kühlregal zu finden ist, sind sehr streng.“ Um dem Tress’schen Grundgedanken treu zu bleiben, wurde mit Hilfe eines großen Verpackungsherstellers eine neue Verpackung entwickelt. Diese ist jetzt zu 88 Prozent wiederverwendbar und aus Karton. Die Kunden reagierten prompt, der Umsatz stieg im Folgejahr zweistellig.

Über 600 Mitunternehmer

Mit diesem Erfolgserlebnis im Rücken starteten die Brüder im September 2018 eine Crowdfunding-Kampagne auf der Plattform Econeers, die „grüne Projekte“ rund um Nachhaltigkeit und die Energiewende finanzieren möchte. Im Januar 2019 schloss die Finanzierungsrunde mit rund 600 Investoren und einem Betrag von 1,15 Millionen Euro. Damit wollen die Brüder über die nächsten Jahre gesund weiterwachsen. „Wir konnten uns beim Crowdfunding sicher sein, dass die Geldgeber unsere Werte mittragen und hinter dem Gedanken des Produkts stehen“, erklärt Dominik Tress. Abgesehen davon sehen die Gründer in ihren Geldgebern, denen eine Rendite von 6 Prozent garantiert werden soll, nicht nur monetäre Unterstützer: „Wir sagen: Mitunternehmer. Jeder einzelne der Investoren ist ein Multiplikator unserer Geschichte und wird das, was wir tun, mit eigenem Herzblut verfolgen.“

Was bringt die Zukunft für die Küchenbrüder? Die Verpackung soll noch nachhaltiger, Vertriebsstrukturen ausgebaut und Mitarbeiter eingestellt werden. Über andere große Pläne haben die Brüder Stillschweigen verhängt. Man kann sicher sein, es wird irgendetwas mit Bio und Nachhaltigkeit zu tun haben. Das hat bei Familie Tress auf der Schwäbischen Alb so Tradition.

Info

Das Crowdfunding der Küchenbrüder

  • Fundingsumme gesamt: 1.152.750 Euro
  • Investoren: 652
  • Zeitraum: 25.09.2018–24.01.2019
  • Geplante Rendite p.a.: 6,0%

Quelle: econeers.de