Mittwoch, 30.05.2018
Reimann Investors

Vom Single zum Multi Family Office

Das Family Office Reimann Investors hat sich für Co-Investoren geöffnet. Was verspricht sich die Familie davon? Ein Gespräch mit Geschäftsführer Michael Riemenschneider.
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Was verspricht sich das Family Office Reimann Investors von der Öffnung gegenüber Co-Investoren?

 

Foto: artisteer/iStock/Thinkstock/Getty Images

Herr Dr. Riemenschneider, wie wird man Family Officer bei einer großen deutschen Industriellenfamilie?

Ganz ehrlich: Das war mehr oder weniger Zufall. Einige Mitglieder der Unternehmerfamilie Reimann, die sich Ende 1990 von ihrer Beteiligung am früheren Familienunternehmen getrennt haben, waren auf der Suche nach einem Geschäftsführer, der ihr neues Family Office aufbauen sollte. Ich wusste damals nicht einmal genau, was ein Family Office ist. Heute ist der Begriff in aller Munde, vor zwölf Jahren war es eher etwas Exotisches. Mich haben damals besonders die unternehmerischen Gestaltungsmöglichkeiten gereizt und die Chance, das Family Office gemeinsam mit der Familie aufzubauen.

Sie sind promovierter Wirtschaftsingenieur, aber kein Banker. Und hatten keinerlei Erfahrung im Vermögensmanagement?

Nein, nicht so richtig. Aber die Familienmitglieder suchten jemanden, der eine gewisse strategische Expertise mitbringt. Denn die Familie hatte bereits entschieden, wieder mehr in reale Werte, konkret in unternehmerische Direktbeteiligungen zu investieren.

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Seit der Gründung 2006 Geschäftsführer: Dr. Michael Riemenschneider.

 

Foto: Reimann Investors

Einzelne Familienmitglieder waren schon in den neunziger Jahren aus dem Kernunternehmen Reckitt Benckiser ausgestiegen. 2006 wurde das Family Office gegründet. Warum so spät?

Die Familienmitglieder hatten Vermögensverwalter beauftragt, das Vermögen für sie zu managen. Damit waren sie aber nicht mehr zufrieden. Das lag auch daran, dass in jener Zeit immer mehr Hedgefonds und kompliziertere Anlageprodukte entwickelt wurden. Das gefiel der Familie nicht, weil es zunehmend schwerer wurde, diese zu durchdringen und zu verstehen. Man wollte also wieder etwas Greifbares haben, in etwas Handfestes, also Firmen, investieren. Den Kapitalmarkt hat die Familie als liquides Anlageuniversum aber nie aus dem Blick verloren. Das Family Office investiert in hochliquide Kapitalmarktprodukte, hauptsächlich in passive Produkte wie ETFs. Fondsprodukte wie Immobilienfonds oder Hedgefonds spielen bei uns keine Rolle.


Seit dem vergangenen Jahr investiert Reimann Investors auch für andere Familien. Warum öffnet sich die Familie für Dritte?

Hierfür gibt es im Wesentlichen zwei Gründe: Als Single Family Office hat man einen Kunden und der Kunde hat einen Dienstleister. Diese wechselseitige Monopolstellung ist strategisch nicht dauerhaft optimal. Es fehlt der Wettbewerbscharakter, der sicherstellt, dass man es sich niemals zu bequem macht. Durch die Öffnung für Dritte spüren wir sozusagen den harten Wind des Wettbewerbs – und das kann uns nicht schaden. Der zweite Grund ist das Netzwerk, das durch ein gemeinsames Investieren mit Unternehmern und Unternehmerfamilien entsteht. Typischerweise sitzt ein Family Office unter einer Käseglocke. Und das halte ich nicht für zeitgemäß und für falsch. Wenn Warren Buffet mit anderen Investoren Partnerschaften eingeht, dann muss sich aus meiner Sicht jeder fragen, der dies nicht tut, ob er das Richtige macht. Aus Geldgründen macht das Warren Buffet sicherlich nicht.

Inwieweit spielt der Generationenwechsel bei dieser Neuausrichtung eine Rolle?

Sowohl bei uns als auch bei unseren externen Mitgesellschaftern finden sich Vertreter aus unterschiedlichen Generationen. Und ja – viele Impulse kommen von der jungen Generation. Sie sind zum Teil sogenannte Digital Natives und interessieren sich sehr für die Gründerwelt, neue Technologien und auch dafür, ein Portfolio aus reiferen Start-ups aufzubauen. Insgesamt scheuen aber auch die älteren Gesellschafter keine Co-Investoren, denen man mit Transparenz und Professionalität begegnen möchte.

 

Wie groß sind Ihre Investitionsvolumina?

Wir beginnen meist im unteren einstelligen Millionenbereich, etwa bei 2 bis 3 Millionen Euro. Wenn sich die Firma gut entwickelt, investieren wir in der Regel in mehreren Schritten bis zu 10 Millionen Euro. Bislang haben wir einen dreistelligen Millionenbetrag in etwa 15 Firmen gesteckt.

Info

Familie Reimann und ihr Vermögen

  • 1823 Johann Adam Benckiser gründet eine Salmiakhütte in Pforzheim.
  • 1828 Ludwig Reimann stößt dazu.
  • 1950/1960 Erfindungen wie die Produkte Calgon, Calgonit und Kukident erobern den Markt.
  • 1984 Albert Reimann, Inhaber der Firma Benckiser, stirbt und vererbt die Firmenanteile an neun Nachkommen.
  • seit 1990 Einige Nachfahren veräußern ihre Anteile. Andere führen ihre Aktivitäten unter dem Dach der JAB Holding zusammen, die unter anderem Anteile an Reckitt Benckiser und Coty hält.
  • 2006 Einige Familienmitglieder, die sich von ihren Anteilen getrennt haben, gründen das Single Family Office Reimann Investors.
  • 2009 Reimann Investors gründet die Deutsche Kontor Privatbank.
  • 2017 Reimann Investors öffnet sich für Co-Investoren. Michael Riemenschneider ist seit der Gründung Geschäftsführer des Unternehmens mit rund 20 Mitarbeitern.

Sehen Sie sich mehr als VC-Investor oder eher als ein Mittelstandsinvestor?

Schwer zu sagen, wir sind irgendetwas dazwischen. Wir übernehmen keine mittelständischen Firmen, die aus mangelnder Nachfolgelösung verkaufen möchten. Wir sind auch kein klassischer VC-Investor, der nach drei bis fünf Jahren den Exit sucht. Wir wollen gemeinsam mit den Gründern starke Firmen aufbauen und geben uns hierfür sieben bis zwölf Jahre Zeit. Durch die Digitalisierung verschwimmen Branchengrenzen, das gilt wohl auch für die traditionelle Typisierung von Investoren.

 

Die Investition in das Fintech Start-up Sofort war ein voller Erfolg. Aber nicht alle Investitionen laufen gut.

Wir befassen uns heute mit den Themen Premium-E-Commerce und digitale Geschäftsmodelle, worunter auch Fintech und digitale Finanzdienstleistungen fallen. Darin kennen wir uns aus und können deshalb auch wirklich etwas zur Entwicklung der Unternehmen beitragen. Unsere gut zehnjährige Lernphase ist im Wesentlichen positiv gewesen. Es gab aber auch schmerzhafte Erfahrungen, als wir etwa zu Beginn auf einen damaligen Megatrend gesetzt haben – aber leider keinen direkten Branchenzugang hatten und deshalb keinen echten Wachstumsbeitrag leisten konnten.


In welcher Größenordnung liegt die Renditeerwartung für die Gesamtinvestitionen des Family Offices?

Beim Kapitalmarkt geht es um Fungibilität und eine moderate Vermögensmehrung bei sehr überschaubarem Risiko. Bei unseren Direktbeteiligungen machen wir nichts, wo wir nicht das Potenzial haben, unser Investment mindestens zu verdreifachen. Das wollen wir auch im Durchschnitt erreichen. Die Kombination der Investitionen ist entscheidend: Es gibt welche, da wissen Sie, wenn das funktioniert, verfünf- oder verzehnfachen Sie das Investment. Aber es ist eben riskant und kann auch schiefgehen. Also beteiligen wir uns in so einem Fall mit einem kleineren Betrag.