Dienstag, 03.03.2020
Herzblut

Stefan Gabler: "Familiensache"

Viele Familienunternehmer setzen ihr Herzblut und ihre Ressourcen für ungewöhnliche Zwecke ein. Warum? Im Gespräch mit dem Stifter Stefan Gabler.
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Ein Großteil der Familienunternehmer nutzt Mittel und Wege, um in verschiedenen Teilen der Gesellschaft zu helfen.

 

Foto: Alfa Studio/iStock/Thinkstock/Getty Images

Herr Gabler, wie kam es zur Gründung der Gabler-Stiftung?

Mein Onkel Rupert Gabler war mit seinen zwei Brüdern persönlich haftender Gesellschafter der Gabler Saliter Bank KG. Rupert Gabler hatte keine Kinder. Gemeinsam mit seiner Frau Hannelore gründete er 1990 die Gabler-Stiftung, zunächst mit einem Stiftungskapital von 50.000 D-Mark. Nach seinem Tod floss zudem ein niedriger siebenstelliger Betrag in die Stiftung. Für mich war selbstverständlich, dass ich als Ältester der Nachfolgegeneration nach meiner Tante den Stiftungsvorsitz übernehme. Die Stiftung ist für uns Familiensache. 

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Stefan Gabler ist Aktionär und Vorstand der Gabler-­Saliter Bankgeschäft AG und damit Bankier in sechster Generation. 1990 gründete sein Onkel Rupert Gabler die Gabler-Stiftung, die Stefan Gabler heute als Vorstandsvorsitzender leitet. Alle Tätigkeiten innerhalb der Stiftung sind ehrenamtlich. 2019 förderte sie Projekte im Umfang von 50.000 Euro.

 

Foto: Gabler-Saliter Bankgeschäft AG

Die Stiftung fördert Kunst und Kultur. Wie gehen Sie hier vor?

Wir sind sehr eigensinnig bei der Projektauswahl: Wir fördern vor allem besondere Einzelmaßnahmen in der Region, Künstler, die etwas Außergewöhnliches, manchmal auch Unbequemes machen. Etwa die aufwendige Installation „Friedensgespräche“ von Günther Rauch an der Kemptener Freitreppe im Jahr 2017. Mit diesem Fokus stoßen wir manchmal auf einen gewissen öffentlichen Unmut. Wir werden immer wieder gefragt, warum wir nicht zum Beispiel Schulen Geld spenden für Bücher oder neue Computer. Das ist aber die Aufgabe der öffentlichen Hand.


Zum Stiftungszweck gehört auch die Wissenschaftsförderung.

Ja, in der Vergangenheit haben wir mit der Stiftung auch Forschungsprojekte gefördert: Hier arbeiten wir mit dem Babynahrungshersteller Töpfer Babywelt zusammen, der ebenfalls mehrheitlich im Familienbesitz ist. Die frühkindliche Förderung ist für die Familie ein wichtiges Thema, schon 1886 hat Johann Baptist Gabler den ersten Kindergarten der Region eröffnet, die „J.B. Gabler’sche Kinderbewahranstalt“. Allerdings sind größere wissenschaftliche Ausarbeitungen heute mit enormem Aufwand verbunden. Wir können uns nur noch auf Teilaspekte konzentrieren.


Welche Rolle spielt die Familie in der operativen Stiftungsarbeit?

Die Stiftung arbeitet ohne hauptamtliche Mitarbeiter: Wir sind fünf Vorstände, davon drei Familienmitglieder, die alle ehrenamtlich tätig sind. Wir sind als Bankiers sehr kostenbewusst, und mit dieser Struktur halten wir die Fixkosten sehr gering. Das ist wichtig im heutigen Null- oder sogar Minuszinsumfeld. Die Gabler-Saliter-Bank unterstützt die Stiftung durch wohlwollende Zinsgestaltung. So kann die Stiftung immer noch Zinserträge erzielen und dem Stiftungszweck zuführen.