Montag, 09.09.2019
Herzblut

Sandra Rothenberger: "Mit Geld nicht zu kaufen"

Viele Familienunternehmer setzen ihr Herzblut und ihre Ressourcen für ungewöhnliche Zwecke ein. Warum? Im Gespräch mit dem Stifterin Sandra Rothenberger.
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Ein Großteil der Familienunternehmer nutzt Mittel und Wege, um in verschiedenen Teilen der Gesellschaft zu helfen.

 

Foto: Alfa Studio/iStock/Thinkstock/Getty Images

Ihre Familie hat die Stiftung im Jahr 2008 ins Leben gerufen. Gab es dafür ein Schlüsselerlebnis?

Eineinhalb Jahre vorher wurde mein Vater nach seinem schweren Flugzeugunfall ins Krankenhaus eingeliefert. In der Unsicherheit, ob er überleben würde oder nicht, fragten wir uns, wie wir etwas zurückgeben können, falls die Sache gut ausgeht. Der Name für die Foundation – TOOLS FOR LIFE – kam sozusagen vom Krankenbett meines Vaters und ist eine Anspielung auf unser Unternehmen, das Werkzeuge herstellt. Die Stiftung repräsentiert passend dazu den Ansatz „Hilfe zur Selbsthilfe“.

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Dr. Sandra Rothenberger ist Geschäftsführerin der von Dr. Helmut Rothenberger gegründeten TOOLS FOR LIFE Foundation. Die Stiftung wurde mit einem Stiftungskapital von 100.000 Euro gegründet und beschäftigt derzeit zwei Vollzeitmitarbeiter. Sie widmet sich den Themen Trinkwasser- und Energieversorgung sowie Bildung.

 

Foto: TOOLS FOR LIFE Foundation

Wie werden die Projekte ausgewählt, die die Stiftung unterstützt?

Ich wähle die Projekte persönlich aus. Zwischen fünf und zehn Anfragen bekomme ich im Durchschnitt pro Woche. Oft suche ich bei der Auswahl den persönlichen Kontakt zu den Organisationen und involvierten Personen. Neben Seriosität und Nachhaltigkeit ist mir vor allem wichtig, dass es einen Partner vor Ort gibt, wenn wir uns außerhalb Deutschlands oder Europas engagieren. Das war ein „Learning“ aus den ersten Jahren. Jetzt sind konstante Berichte und Fotos von den Projekten und deren Voranschreiten Pflichtaufgabe. Dabei unterstützen wir zu ungefähr zwei Dritteln Engagements von Partnern, mit denen wir bereits positiv zusammengearbeitet haben, und die restlichen Anträge nehmen wir von uns bislang unbekannten Projektpartnern an.

 

Wie finanziert sich die Stiftung?

Seit der Gründung haben wir über diverse Wege 680.000 Euro gesammelt. Wir veranstalten Spendenevents, gehen auf unser Personal im Unternehmen und auf Zulieferer zu – „Spenden statt schenken“ nennen wir das, wenn die Feiertage anstehen. Manche Mitarbeiter geben sogar ihren ganzen Jahresbonus an die Stiftung oder helfen als Freiwillige für ein paar Wochen bei der Stiftungsarbeit aus. Das erfüllt mich mit ungemeinem Stolz.

 

Warum ist die Stiftungsarbeit eine Herzensangelegenheit für Sie?

Es sind Erlebnisse, die durch kein Geld der Welt ersetzbar sind. Wenn ich zum Beispiel Briefe von Kindern aus Bali oder dem Senegal lese, die mir dankbar schreiben, wie sie durch unsere Schule zu einem Job gefunden haben, da bekomme ich oft das Gefühl: „Hier hast du etwas richtig gemacht.“ Momente, wie bei unserer ersten Schuleröffnung im Senegal im Jahre 2009, wenn 400 Schüler ein selbstgedichtetes Lied über einen singen, vergisst man nie. Da bin ich dann auch bereit, an manchen Tagen bis 2 oder 3 Uhr nachts zu arbeiten.