Donnerstag, 07.02.2019
Herzblut

Reiner Meutsch: "Ich wollte mein Gewissen beruhigen"

Viele Familienunternehmer setzen ihr Herzblut und ihre Ressourcen für ungewöhnliche Zwecke ein. Warum? Im Gespräch mit dem Stifter Reiner Meutsch.
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Ein Großteil der Familienunternehmer nutzt Mittel und Wege, um in verschiedenen Teilen der Gesellschaft zu helfen.

 

Foto: Alfa Studio/iStock/Thinkstock/Getty Images

Herr Meutsch, Ihre Stiftung setzt sich für Bildung in Entwicklungsländern ein. Gab es ein Schlüsselerlebnis für dieses Engagement?

Ich lernte noch während meiner Zeit beim Reiseunternehmen Berge & Meer ein Kind in Jordanien kennen, das um elf Uhr morgens mit einer Kalaschnikow herumlief. Ich fragte: „Was macht du hier?“ Der Junge meinte: „Ich schieße gegen die da drüben“, und zeigte in Richtung Israel. Ich entgegnete: „Lernt ihr in der Schule nicht, dass man so etwas nicht tut?“ Es stellte sich heraus, dass der Vater des Jungen das Schulgeld nicht bezahlen konnte und das Kind deswegen auf der Straße war. Damals habe ich den Entschluss gefasst, dass ich, wenn ich mal zu Geld kommen sollte, dafür sorge, dass Kinder Bildung bekommen.

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Reiner Meutsch gründete 2009 die Reiner Meutsch Stiftung Fly & Help, die neun Mitarbeiter beschäftigt und bis heute 270 Schulen finanziert hat. Meutsch war Mitgründer des Reiseanbieters Berge & Meer, der 2007 von der TUI Group übernommen wurde.

 

Foto: Reiner Meutsch Stiftung FLY & HELP

Mit dem Verkauf von Berge & Meer sind Sie zu diesem Geld gekommen. Warum sind Sie zunächst auf Weltreise gegangen?

Mein Vater war Busunternehmer im Westerwald und hatte immer den Traum, irgendwann die Welt zu bereisen. Leider ist er mit 58 Jahren gestorben und nie gereist. Meine Weltreise war sozusagen „seine“ Weltreise. Da ich aber mit meiner Maschine so viel Sprit in die Welt blasen würde, wollte ich mein Gewissen beruhigen und entschied, etwas Bleibendes zu hinterlassen. Vor Ort habe ich die verschiedensten NGOs im Bildungsbereich kennengelernt und den Bau von fünf Schulen bezahlt. Die Erlebnisse bei den Eröffnungen der Schulen einige Zeit später haben mich so demütig gemacht, dass ich beschloss, jedes weitere Jahr Bildungseinrichtungen über Partnerorganisationen zu finanzieren.


Wie finanziert sich Fly & Help?

Alle Kosten der Stiftung trägt meine Firma Prime Promotion, so dass jeder Spenden-Euro 1 zu 1 in Projekte fließt. Ich selber erzähle bei Events von meinen Reisen, den Projekten und sammle auf diese Weise Spenden. Prime Promotion, wo mittlerweile meine beiden Töchter arbeiten, bietet exotische Reisen, Galaabende und Hubschrauberrundflüge an. Die Gewinne fließen zu einem Großteil direkt in die Stiftung. Ich lege alle Zahlen im Jahresbericht offen. Transparenz ist mir wichtig.

Was bedeutet Ihre Unternehmervergangenheit für die Stiftung?

Ich habe das Glück, über die Jahre Tausende Kontakte geknüpft zu haben, die mir heute helfen, die Stiftungsarbeit zu organisieren. Das Kuratorium habe ich beispielsweise mit Menschen aus Bereichen der Wirtschaft, Kultur und Politik besetzt. Jeder trägt mit seiner Expertise zum Gelingen von Fly & Help bei.