Donnerstag, 07.02.2019
Huber Technology Stiftung will neue Wege gehen

Nachhaltig fördern: gar nicht so einfach

Kleinere Stiftungen suchen vermehrt den Schulterschluss mit ihresgleichen zugunsten einer größeren Hebelwirkung. Auch die Huber Technology Stiftung geht neue Wege.
Theresa Magula, Jasmin Wagner, Huber Technology Stiftung, Familienunternehmen, Familienunternehmen Stiftung, Franz Bischof, Umwelttechnik Stiftung, Wasser Stiftung, Hans Huber, Huber Unternehmen, Huber SE, Johanna Rong, Georg Huber

Wasser bedeutet Leben: Die ­Huber Technology Stiftung möchte Menschen auf der ganzen Welt für den richtigen Umgang mit Wasser sensibilisieren. Auch in der indischen Region Andhra Pradesh.

 

Foto: Huber Technology Stiftung

Hans Huber war mit Leib und Seele Ingenieur. Abwasser war für ihn ein Wertstoff“, sagt Franz Bischof über den 2014 verstorbenen Stifter der Huber Technology Stiftung. Franz Bischof ist Professor für Umwelttechnik an der Ostbayerischen Technischen Hochschule Amberg-Weiden, langjähriger wissenschaftlicher Berater des Unternehmens HUBER SE und Vorstandsvorsitzender der Huber Technology Stiftung (HTS). Unterstützt wird er bei der Stiftungsarbeit von Bettina Huber, Schwiegertochter von Hans Huber und stellvertretende Vorstandsvorsitzende der Stiftung. Gemeinsam bemühen sich die beiden, den Willen des Stifters in die Tat umzusetzen. Doch das ist nicht so leicht.

Hans Huber galt als Vordenker in Sachen Abwasser und Umwelt. 1969 hatte er gemeinsam mit seinem Bruder Karl-Josef Huber die Leitung des Familienunternehmens übernommen und HUBER über die Jahre zu einem international agierenden Unternehmen mit heute mehr als 1.000 Mitarbeitern aufgebaut. HUBER stellt Anlagen zur Trennung und Aufbereitung von Abwässern her. Für die Entwicklung von neuen Technologien zum nachhaltigen Umgang mit Wasser erhielt Hans Huber 2006 den Deutschen Umweltpreis. Der mit insgesamt 500.000 Euro dotierte Preis, den Huber sich mit einem weiteren Forscher teilte, bildete die finanzielle Grundlage für die Gründung der Huber Technology Stiftung. „Hans Huber wollte die Begeisterung für das Thema Wasser weitergeben“, erklärt Franz Bischof weiter. Daher sei das Ziel der Stiftung, das Bewusstsein für sauberes Wasser zu fördern und hierzu zu forschen.

Förderpreise ohne Wirkung

Im Jahr 2008 begann die Stiftung, alle zwei Jahre einen Preis für talentierte Nachwuchswissenschaftler auszuloben, die sich mit dem nachhaltigen Umgang von Wasser beschäftigten. Fünf Prozent des Stiftungskapitals in Höhe von 200.000 Euro wurden ausgeschüttet. Drei Preisträger teilten sich das Preisgeld von insgesamt 10.000 Euro. Zunächst schien das Konzept aufzugehen. Die HTS erhielt Bewerbungen aus aller Welt, die Preisträger kamen aus Indien, Australien, den Niederlanden und China. Auch deutsche Studenten aus Hamburg, Freiburg und Amberg gewannen Preise. Dass durch die Auszeichnung junge Wissenschaftler auf die Firma HUBER aufmerksam wurden, war ein willkommener Nebeneffekt.

„Die Stiftung darf kein verdecktes Marketing für die Firma sein.“
Franz Bischof, Vorstand, Huber Technology Stiftung

Zudem gaben die eingereichten Forschungsarbeiten Denkanstöße für die unternehmenseigene Forschung. Die Preisverleihung fand öffentlichkeitswirksam auf der internationalen Messe für Umwelttechnik IFAT durch den bayerischen Umweltweltminister statt, der zugleich die Schirmherrschaft übernommen hatte. Doch in den vergangenen Jahren ging die Anzahl der Bewerbungen zurück, berichtet Franz Bischof, der ebenfalls als Jury-Mitglied über die Auswahl der Preisträger mitentschied. Der erhoffte Wettbewerb der Ideen blieb aus. Im Jahr 2014 wurde die Auszeichnung zum letzten Mal verliehen. Im selben Jahr verstarb auch Stiftungsgründer Hans Huber überraschend. Es folgte eine Phase der Neuorientierung.

Kooperationen und Zustiftungen

Seit drei Jahren initiiert und finanziert die Stiftung nun kleinere Projekte rund um das Thema „Wert des Wassers“ in der Region und vereinzelt auch im Ausland. „Wir wollen mit unserer Stiftungsarbeit mehr Menschen erreichen und für den nachhaltigen Umgang mit Wasser sensibilisieren. Daher ist es uns wichtig, Projekte zu fördern, die auch umgesetzt werden und deren Entwicklung wir vor Ort mitverfolgen können“, erklärt Bettina Huber die neue Strategie. Zudem möchte die HTS vermehrt mit anderen Stiftungen und Organisationen kooperieren.

Insbesondere Projekte in Entwicklungsländern lassen sich am besten mit Partnern umsetzen, die langfristig dort engagiert sind und die Gegebenheiten vor Ort kennen. „Erste Kooperationen sind schon gut gelungen“, versichert Franz Bischof, wie beispielsweise ein Brunnenprojekt in der indischen Region Andhra Pradesh, das gemeinsam mit dem Hilfswerk des Schuhunternehmers Heinrich Deichmann wortundtat und mit der Sozialeinrichtung AMG India International (ebenfalls von Deichmann mitfinanziert) unterstützt wurde. Oder ein Schulungsprojekt für die Dorfbewohner in Owumunam in Ghana, zusammen mit der Hilfsorganisation Technik ohne Grenzen.

Mehr Nähe und Distanz zur Firma?

Shepherd Pido, Jakob Reinhard, Huber Technology Stiftung, Familienunternehmen, Familienunternehmen Stiftung, Franz Bischof, Umwelttechnik Stiftung, Wasser Stiftung, Hans Huber, Huber Unternehmen, Huber SE, Johanna Rong, Georg Huber

Nur mit Brunnenbau ist die Hilfestellung nicht getan. Die Huber Technology Stiftung unterstützt die Initiative Technik ohne Grenzen, um in Owumunam (Ghana) Bewusstsein für den Wasserkreislauf zu fördern.

 

Foto: Huber Technology Stiftung

Größere Fördervorhaben kann die HTS mit einer jährlichen Ausschüttung von 10.000 Euro nicht allein stemmen, daher hoffen Bettina Huber und Franz Bischof neben Kooperationen auch auf Zustiftungen. Franz Bischof verwaltet das Stiftungsvermögen selbst. Die Investmentfonds, in die er investiert hat, werfen momentan eine Rendite von 2,4 Prozent ab. In Zeiten, in denen das Geld knapp ist, springt auch mal die Firma HUBER ein. Insofern sei die Nähe zum Unternehmen gut, sagt der Vorstandsvorsitzende, der genau wie Bettina Huber die Stiftung ehrenamtlich betreut.

 

Andererseits, gibt er zu bedenken, könnte dies andere Stiftungen oder Spender davon abhalten, Projekte der HTS zu unterstützen. „Trotz der Verbundenheit zum Unternehmen ist eine gewisse Distanz wichtig, damit die Stiftung nicht als verdeckte Marketingstrategie der Firma wahrgenommen wird“, weiß er. Aus diesem Grund wurde die Präambel der Stiftungssatzung vor kurzem geändert. In der ursprünglichen Fassung war vorgesehen, dass die Stiftung auch die Produkte der Firma HUBER fördern soll. Ein Passus, der vorschreibt, dass im Kuratorium auch ein Vertreter des Bayerischen Umweltministeriums Mitglied ist, wurde ebenfalls gestrichen.

Regional mehr erreichen

Den Schwerpunkt ihrer Stiftungsarbeit sehen Bettina Huber und Franz Bischof zukünftig aber weniger im Ausland, sondern vor allem in kleineren regionalen Engagements. Dies sei auch der Wunsch des mehrköpfigen Kuratoriums gewesen, berichtet Bettina Huber. „Die Arbeit der Stiftung soll für die Mitarbeiter und die Menschen in unserem Landkreis sichtbarer werden“, erläutert sie. Förderprojekte, die der Region zugutekommen, böten viel Potential für Zustiftungen, sowohl von Seiten der HTS selbst als auch von Dritten. So hat die HTS in diesem Jahr die Einrichtung eines Wasserspielplatzes in einem Berchinger Kindergarten als Zustifter finanziell unterstützt. In einer Neumarkter Realschule sorgte die HTS mit einer Geldspende für die Realisierung eines Ökogartens und initiierte weitere Materialspenden von Baufirmen aus dem Landkreis. „Für das Image der Firma und die Identifikation der Mitarbeiter sind solche Erfolgsmeldungen sogar besser als Berichte über Entwicklungsprojekte im Ausland“, sagt Franz Bischof.

Doch auch für regionale Stiftungsarbeit gibt es keine Erfolgsgarantie. Noch zu Lebzeiten hatte Hans Huber ein Grundstück für die Stiftung erworben, auf dem eine Obstbaumplantage entstehen sollte. Sechs Jahre lang pflanzten Schüler aus Berching unter fachmännischer Aufsicht über 100 junge Bäume im Hans Huber Natur-Park. Im vergangenen Sommer fielen 80 Prozent und damit zwei Jahresausschüttungen der Stiftung der Trockenheit zum Opfer. Ein herber Rückschlag für die kleine Stiftung. Die Stiftungsarbeit sei nicht einfach, räumt Franz Bischof ein. Das Stiftungsvermögen und die personelle Ausstattung lassen keine großen Sprünge zu. „Wir bemühen uns, den Stiftungszweck so gut wie möglich zu erfüllen.“ Ein neues Konzept für den Hans Huber Natur-Park sei bereits in Arbeit.

Info

Der Wasserspezialist: HUBER SE

Die Wurzeln der Firma HUBER SE reichen bis in das Jahr 1786 zurück. Die Familie Schreiber gründet einen Kupferschmiedebetrieb zur Fertigung von Behältern und Anlagen für Brauereien. Im Jahr 1872 heiratet Johann Huber in das Unternehmen ein und übernimmt die Führung. Von Anfang an steht die Firma in enger Beziehung zu den Bereichen Trinkwasser und Abwasser und erprobt und entwickelt neue Verfahren und Werkstoffe.

 

Mit der Übergabe an die Vertreter der vierten Generation, die Brüder Hans Huber und Karl-Josef Huber, im Jahr 1969 beginnt der Wachstumsprozess des Maschinen- und Anlagenbauers aus dem oberpfälzischen Berching. Hans Huber, verantwortlich für Produktion und Entwicklung, stellt komplett auf Edelstahl um und bringt neue umweltfreundliche Technologien für die Wasserversorgung und Abwasseraufbereitung auf den Markt. Innerhalb einer Generation entwickelt sich der Familienbetrieb mit 50 Mitarbeitern zu einem international agierenden Mittelständler mit rund 700 Beschäftigten und über 180 Millionen Euro Umsatz. Seit 2010 hat mit Georg Huber die sechste Generation das Ruder übernommen. Die Gesellschafteranteile sind hälftig zwischen Georg Huber und seiner Cousine Johanna Rong, geb. Huber und Mitglied des Aufsichtsrats der HUBER SE, aufgeteilt.

 

Die Schwerpunkte der Produktion sind heute die Abwasserreinigung, die Klärschlammverwertung sowie Verfahrenslösungen zur Entfernung von Mikroplastik und Medikamentenrückständen aus dem Abwasser. Für seine Leistungen im Bereich „Nachhaltiger Umgang mit Wasser“ ist das Unternehmen mehrfach ausgezeichnet worden.