Freitag, 08.11.2019
Das Bissell Family Office

Indische Rendite

William Bissell ist Geschäftsführer in zweiter Generation des indischen Unternehmens Fabindia. Angela De Giacomo ist für das Family Office der anglo-indischen Familie verantwortlich. Ein Gespräch über Renditeziele, globale Risikobereitschaft bei Investments und Indiens Wandel.
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Weit mehr als nur Gewürze: Die indische Wirtschaft gerät immer mehr ins Blickfeld internationaler Investoren.

 

Foto: Johannes Sill

Frau De Giacomo, Sie arbeiten für die Familie Bissell, die ihr Unternehmen in Indien und ihre Wurzeln in den Vereinigten Staaten hat. Wie kamen Sie als geborene Stuttgarterin ins ferne Family Office der Familie?

Angela De Giacomo: Ich ging 1998 zum ersten Mal nach Indien und war fasziniert von Land und Kultur. Mein Wunsch war es in der Folge immer, irgendwann in Indien zu arbeiten. Nach meinem Studium arbeitete ich für eine große Wirtschaftsprüfungsgesellschaft und wollte – nach der bestandenen Steuerberaterprüfung – nach Indien entsandt werden. Das kam nicht zustande. Über Freunde vor Ort fand ich schließlich zu William und seiner Schwester Monsoon Bissell. 

Herr Bissell, warum war Frau De Giacomo die richtige Person, um das Family Office zu leiten?

William Bissell: 2012 verkauften meine Schwester und ich Minderheitsanteile an unserer amerikanischen und indischen Firma an zwei Investoren. Danach suchten wir nach jemandem, der Know-how in internationaler Besteuerung hatte, um den Dividenden- und Kapitalzufluss zwischen Indien und den USA zu strukturieren. Wir wollten zudem eine Person mit M&A-Erfahrung in verschiedenen Ländern und Branchen, um ein kleines Investmentteam aufzubauen. Des Weiteren sollte die Person das Selbstverständnis unserer Familie kennen und natürlich vertrauenswürdig sein.

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William Bissell trifft sich halbjährlich mit den Gründern, in die er investiert.

 

Foto: Privat

Wie waren zu dieser Zeit die Rahmenbedingungen für den Aufbau eines Family Offices in Indien?

Bissell: Unser Family Office ist eines der Ersten gewesen, das professionell ausgerichtet wurde. Üblicherweise preschen Schwellenmärkte in diesen Dingen weniger nach vorne als im Westen. 

 

Wie hat sich das Portfolio über die Jahre entwickelt?

Bissell: Zu Beginn investierten wir in Immobilien. Danach erweiterten wir das Portfolio um indische und amerikanische Aktiendepots. Später entschieden wir uns, das Investmentfeld „Start-ups in Indien“ hinzuzunehmen. 

 

Welche Investmentkriterien haben Sie?

Bissell: Der wichtigste Faktor ist, welchen sozialen Impact die Firmen haben, in die wir investieren. Ob und in welchem Maße haben sie gesellschaftlich eine positive Wirkung? Zudem verwenden wir bei kleineren Start-ups viel Zeit und Fokus darauf, die Motivationen und das Commitment der Unternehmer kennenzulernen.

Kommen diese Start-ups aus einem speziellen Bereich?

De Giacomo: Wie gesagt, oberstes Credo ist die gesellschaftliche Wirkung. Dementsprechend haben wir in der ersten Phase in B2B-Firmen investiert, die neue technologische Lösungen anbieten – beispielsweise Education-Technology-Solutions oder Big-Data-Analysen. Seitdem sind wir dazu übergegangen, auch in konsumentenorientierte Unternehmen zu investieren. 

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Pendelt regelmäßig zwischen Neu-Dehli und Berlin: Angela De Giacomo.

 

Foto: Markus Rack

Gibt es Ziele bei der Rendite?

Bissell: Ich ignoriere hier der Einfachheit halber die Inflation, aber wenn man in Indien in Festgeld investiert ist, kann man mit bis zu 7 Prozent planen. Somit ist die Vorgabe, einen Ertrag zu generieren, der über dieser risikoarmen Option liegt. Bei den Start-up-Investments können wir hingegen erst ein Fazit ziehen, wenn wir mehr Exits gemacht haben. Bis dato waren es lediglich zwei. Mit denen waren wir zufrieden. Abschreiben mussten wir bisher ein Investment. Aber im Moment sind die meisten Start-ups, in die wir investiert sind, erst angelaufen und in der Wachstumsphase. Wir rechnen in den nächsten 18 bis 24 Monaten mit den Exits.

 

Investieren sie allein oder als Co-Investoren?

De Giacomo: Mittlerweile haben wir uns für Co-Investments geöffnet und treten nicht nur als Einzelinvestor auf. Wir haben Vorteile gesehen, uns mit gleichdenkenden Geldgebern zusammenzuschließen. Das hat seine Zeit gedauert, aber jetzt haben wir eine Handvoll Investoren gefunden, die zu uns passen und unsere Denkweise bei Risikoerwartung, Netzwerk und Wertesystem teilen. 

Aus welchen Ländern kommt Kapital nach Indien?

De Giacomo: Die meisten Geldgeber kommen aus den USA, gefolgt von Japan, Südkorea und China. Bis auf Bertelsmann India Investments sehe ich bis dato kaum deutsche Player im Markt. Es wäre toll, wenn sich die Einstellung zu Indien ändern würde. Ich habe in den vergangenen Monaten mehrere Anfragen bekommen, deutsche Unternehmerfamilien beim Weg nach Indien zu unterstützen. Jetzt steht die Überlegung im Raum, einen Fonds mit indischem Fokus für deutsche und europäische Familien aufzusetzen.

Info

Fabindia

Der Amerikaner John Bissell gründete 1960 ein Unternehmen in Neu-Delhi, das traditionelle indische Möbel und Einrichtungsgegenstände in die Vereinigten Staaten exportierte. Fabindia entwickelte sich zu einem der größten privaten Hersteller von traditionellen Stoffen, Kleidung und Lifestyle-Produkten in Indien. 1999 übernahm mit William Bissell die zweite Generation das Unternehmen, weil der Gründer erkrankte. William fokussierte sich auf das Retail-Inlandsgeschäft, das in der Folge zum größten Umsatzbringer wurde. Heute beschäftigt das Unternehmen über 3.000 Mitarbeiter, arbeitet mit 55.000 Kunsthandwerkern zusammen und erwirtschaftet in knapp 350 Läden einen Umsatz von 200 Millionen US-Dollar. 

Info

Angela de Giacomo

Angela de Giacomo studierte in an der Dualen Hochschule in Stuttgart BWL mit den Schwerpunkten Steuerrecht und -prüfung. Sie arbeitete nach dem Abschluss unter anderem für die Wirtschaftsprüfungsgesellschaft KPMG im Bereich Steuern. Seit 2012 ist sie im Family Office der Unternehmerfamilie Bissell in Neu-Delhi angestellt.

 

De Giacomo ist neben ihren Aufgaben im Family Office die Initiatorin der Online-Plattform Wundernova, die Wirtschaftsplayer aus Deutschland und Indien besser verbinden soll. Die Wahl-Berlinerin engagiert sich zudem im Bundesverband Deutsche Startups für das „German Indian Startup Exchange Program“.