Freitag, 02.03.2018
Herzblut

Hans Schöpflin: "Eingreifen, ­bevor es zu spät ist"

Viele Familienunternehmer setzen ihr Herzblut und ihre Ressourcen für ungewöhnliche Zwecke ein. Warum? Im Gespräch mit dem Stifter Hans Schöpflin.
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Ein Großteil der Familienunternehmer nutzt Mittel und Wege, um in verschiedenen Teilen der Gesellschaft zu helfen.

 

Foto: Alfa Studio/iStock/Thinkstock/Getty Images

Herr Schöpflin, die Schöpflin-Stiftung engagiert sich unter anderem für Suchtprävention bei Jugendlichen. Warum?

Unser Sohn wurde ein Drogenopfer: Er starb 1995 an einer Überdosis. Zu diesem Zeitpunkt war ich als Unternehmer in den Vereinigten Staaten erfolgreich. Plötzlich musste ich mir die Fragen stellen: Wie erfolgreich bin ich wirklich? Was ist der Sinn des Geldes, das ich verdiene? In der Folge habe ich zwei Stiftungen gegründet: zuerst die Förderstiftung Panta Rhea Foundation in Kalifornien, 2001 dann in Deutschland die Schöpflin-Stiftung, gemeinsam mit meinen Geschwistern Heidi und Albert. Unser Ausgangspunkt war das Thema Prävention, also das Eingreifen, bevor es überhaupt zur Abhängigkeit kommt. Inzwischen haben wir die Arbeit der Schöpflin-Stiftung auch auf die Bereiche Bildung und zivilgesellschaftliches Engagement erweitert.

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Hans Schöpflin ist der älteste Enkel von Wilhelm Schöpflin, der 1929 in Lörrach das gleichnamige Textilunternehmen gründete. Bevor er wie geplant in dritter Generation die Nachfolge antreten konnte, wurde das Versandhaus 1964 an Quelle verkauft. 2001 gewann er seine Geschwister für die Gründung der Schöpflin-Stiftung, in die auch das elterliche Anwesen im Lörracher Ortsteil Brombach eingebracht wurde. Die Stiftung beschäftigt heute 33 Mitarbeiter.

 

Foto: Arno Dietsche

Sie führen die Stiftung auf das Familienunternehmen Ihrer Eltern und Großeltern zurück, das Versandhaus Schöpflin-Haagen. Schöpflin wurde aber bereits in den sechziger Jahren an Quelle verkauft. In welchem Zusammenhang steht die Stiftung heute zu diesem Erbe?

Die Verbindung ist für mich vor allem ideell. Als Unternehmersohn war ich immer darauf vorbereitet worden, die Leitung der Firma zu übernehmen. Der Verkauf änderte das, und ich ging nach Amerika, um eine neue Aufgabe zu finden. Ich bin meinen Großeltern dennoch sehr dankbar: Sie haben mit nichts angefangen, hart gearbeitet und sind erfolgreich geworden – das war für mich ein wichtiger Ansporn. Erst später kam die Erkenntnis hinzu, dass Geld kein Selbstzweck ist. Der finanzielle Grundstock für die Stiftung stammt von mir, nicht aus dem Verkauf von damals. Meine Geschwister, die auch im Beirat der Stiftung sitzen, haben zugestimmt, ihre Anteile am Anwesen unserer Eltern einzubringen.

 

Sie haben kürzlich bekanntgegeben, in Kooperation mit dem Recherchebüro Correctiv das „Haus des gemeinnützigen Journalismus“ zu unterstützen. Wie passt das zu den bisherigen Projekten der Stiftung?

Wir waren und sind seit langem Förderer von Correctiv. Zu unserem Engagement im Bereich Zivilgesellschaft gehört auch die Frage: Was braucht eine funktionierende Demokratie? Und dazu gehört gemeinnütziger, investigativer Journalismus. Wir wollen jungen Menschen dabei helfen, ein waches, kritisches Bewusstsein für die Welt zu entwickeln. Zudem habe ich mit der Panta Rhea Foundation in Amerika viel Erfahrung in der Unterstützung von NGOs gesammelt. Da lag es nahe, auch unsere Projektarbeit bei der Schöpflin-Stiftung damit zu ergänzen.