Freitag, 05.04.2019
Bei gleichem Preis lieber Verkauf ans SFO

Family Offices vs. Private Equity

Single Family Offices arbeiten immer professioneller. Warum Private-Equity-Häuser die neue Konkurrenz nicht unterschätzen sollten.
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Wer bekommt seine Shares? Family Offices sind in vielen Bereichen auf Augenhöhe mit Private Equity.

 

Foto: z_wei / iStock / Getty Images Plus

Lange Zeit wurden Single Family Offices von Private-Equity-Investoren belächelt. „Zu langsam, zu klein, zu opportunistisch und von dem eigenen Bauchgefühl gesteuert“, lauten die Attribute, die von Private-Equity-Seite häufig zu hören sind. Doch die Single Family Offices (SFOs) werden besser, und sie mischen inzwischen im Mid-Cap-Buy-out-Markt ordentlich mit.

Nach Recherchen der FINANCE-Redaktion kam das SFO Bregal bei fünf von insgesamt 47 Mittelstandstransaktionen im Wert zwischen 50 Millionen und 250 Millionen Euro zum Zug. Kein anderer Investor hat in diesem Segment im vergangenen Jahr so häufig zugeschlagen wie das SFO der Familie Brenninkmeijer. In der aktuellen Umfrage des FINANCE-Midmarket-Private-Equity-Monitors unter 50 in Deutschland tätigen Private-Equity-Häusern gaben zudem über 80 Prozent der Beteiligungsmanager an, dass Family Offices ihnen in den vergangenen 12 bis 24 Monaten beim Kampf um mittelständische Übernahmeziele das Leben schwergemacht hätten. Nach den strategischen Käufern gelten Family Offices inzwischen als die größte Konkurrenz im Kampf um die besten Targets.

„Die SFOs werden in den kommenden Jahren zu ernsthaften Konkurrenten für die Private-Equity-Investoren“, sagt auch Nadine Kammerlander voraus, Professorin am Institut für Familienunternehmen an der WHU Vallendar. „Das Gros der Family Offices ist in Deutschland erst in diesem Millennium entstanden und folglich noch sehr jung.“ Die Single Family Offices befänden sich derzeit noch in einem Prozess der Professionalisierung. „Wir sehen, dass die SFOs bei ihren Entscheidungsprozessen schneller werden“, sagt Kammerlander, die in einer Studie die Unterschiede zwischen Single Family Offices und Private Equity untersucht hat

Zwar ist das Investitionsvolumen der SFOs pro Transaktion mit einer durchschnittlichen Ticketgröße von 6,8 Millionen Euro im Vergleich zu Private-Equity-Transaktionen (22,5 Millionen Euro) noch relativ niedrig, doch auch hier prognostiziert Kammerlander Veränderungen. Knapp die Hälfte (49 Prozent) der SFOs investiert bereits über Club-Deals. Viele SFOs wünschen sich darüber hinaus noch mehr Club-Deals. „In einem kompetitiven Marktumfeld spielt das Bündeln von Liquidität und Expertise im Deal-Sourcing eine immer entscheidendere Rolle“, sagt Kammerlander. Wenn sich der Markt für Club-Deals weiterentwickele und größer werde, würden SFOs künftig auch größere Transaktionen stemmen können.

SFOs bei Unternehmerfamilien beliebter

Aus Verkäufersicht haben SFOs im Vergleich zu Private-Equity-Investoren gleich mehrere Vorzüge: Sie haben einen längeren Investitionshorizont (im Durchschnitt knapp 19 Jahre) als klassische PE-Unternehmen (fünf Jahre) und geben sich auch mit Minderheitsbeteiligungen zufrieden. Vermögenserhalt und nichtfinanzielle Ziele werden häufig schwerer gewichtet als die Maximierung der Rendite. Viele Unternehmerfamilien verkaufen daher bei gleichem Preis lieber an SFOs als an PE-Fonds.

Bei dem Thema Leverage räumt Kammerlander allerdings mit dem verbreiteten Mythos auf, SFOs würden ausschließlich mit Eigenkapital investieren, während Private Equity-Investoren ihren Portfoliounternehmen hohe Schulden aufbürdeten. Etwa die Hälfte der SFOs nimmt Fremdkapital oder Mezzanine-Finanzierungen beim Erwerb von Direktbeteiligungen auf. Der durchschnittliche Anteil von Fremdkapital pro Transaktion liegt mit 35 Prozent nur leicht unter dem klassischer PE-Unternehmen (42 Prozent).