Dienstag, 11.09.2018
Herzblut

Ernst Prost: "Menschenleben retten"

Viele Familienunternehmer setzen ihr Herzblut und ihre Ressourcen für ungewöhnliche Zwecke ein. Warum? Im Gespräch mit dem Stifter Ernst Prost.
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Ein Großteil der Familienunternehmer nutzt Mittel und Wege, um in verschiedenen Teilen der Gesellschaft zu helfen.

 

Foto: Alfa Studio/iStock/Thinkstock/Getty Images

Herr Prost, warum engagieren Sie sich gemeinnützig?

Ethische Werte wie Fleiß, Respekt, Nächstenliebe, Demut, Lob und Dankbarkeit sind mir sehr wichtig. Ich habe als Unternehmer schon immer da geholfen, wo ich konnte. Aber das war eher sporadisch und willkürlich. Um die Hilfe besser strukturieren zu können, suchte ich nach der richtigen Organisationsform und fand sie in zwei Stiftungen: die Ernst Prost Stiftung, die Menschen hilft, die ohne eigenes Verschulden in Not geraten sind. Menschlichkeit, Nächstenliebe und Gemeinsinn – „UBUNTU“ – sind die Eckpfeiler meiner zweiten Stiftung: der Ernst Prost Foundation for Africa. Sie geht an Ort und Stelle gegen Leid, Elend, Armut und Hoffnungslosigkeit vor.

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Ernst Prost gründete 2010 mit einem Stiftungskapital von 500.000 Euro die Ernst Prost Stiftung, die Menschen hilft, die unverschuldet in Not geraten sind. 2015 rief er die Ernst Prost Foundation for Africa mit einem Stiftungskapital von 500.000 Euro ins Leben. Prost war seit 1998 Geschäftsführender Gesellschafter von Liqui Moly, ein Hersteller von Additiven, Schmierstoffen und Motorenölen, bis er 2017 seine Anteile an die Würth Gruppe verkaufte. Aus dem Verkaufserlös spendete er vier Millionen Euro an seine Stiftungen.

 

Foto: LIQUI MOLY

Nach welchen Kriterien wählen Sie Projekte aus, die von den Stiftungen unterstützt werden?

Die Projekte suchen wir nach Nachhaltigkeit und Nutzen aus. Wir haben beispielsweise Menschen, die in der Altersarmut leben, einen regelmäßigen Mittagstisch gesichert, Kindern aus sozial schwachen Verhältnissen Hilfe bei der Bildung ermöglicht, Menschen mit Behinderung unterstützt, Therapien wahrzunehmen, oder Hospizarbeit gefördert. In Afrika unterstützen wir beispielsweise Kliniken für unterernährte Kinder und Schulernährungsprogramme inklusive Brunnenbau. Es ist ein Tropfen auf den heißen Stein, aber man kann damit Menschenleben retten.


Wie sind Sie in die Arbeit involviert?

Meine Lebensgefährtin Kerstin Thiele leitet die Stiftungen ehrenamtlich. Sie steht mit den Menschen und den Einrichtungen in Kontakt, prüft die Anträge und kontrolliert den Ablauf der Förderung. Ich gebe „nur“ das Geld. Es gibt kein Crowdfunding, ich bezahle keine Gehälter, mache keine Werbung, und wir haben beispielsweise kein Office in Afrika. Es sollen keine Zusatzkosten entstehen. Am Wochenende reden wir über Härtefälle. Da kommt bei mir oft Trauer und Wut auf. Wenn ein Fall am Stiftungszweck vorbeigeht, greife ich manchmal in die eigene Tasche, um zu helfen. Mich nimmt das emotional sehr mit, und nach einem Besuch in der Kinderkrebsabteilung im Ulmer Krankenhaus war ich tagelang gelähmt von dem Leid.