Montag, 04.06.2018
Herzblut

Burckhard Kramer: "Kinder führen und fördern"

Viele Familienunternehmer setzen ihr Herzblut und ihre Ressourcen für ungewöhnliche Zwecke ein. Warum? Im Gespräch mit dem Stifter Burckhard Kramer.
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Ein Großteil der Familienunternehmer nutzt Mittel und Wege, um in verschiedenen Teilen der Gesellschaft zu helfen.

 

Foto: Alfa Studio/iStock/Thinkstock/Getty Images

Herr Kramer, Sie engagieren sich seit Mitte der neunziger Jahre für mehr Chancengleichheit für Kinder und Jugendliche. Warum ist das für Sie eine Herzensangelegenheit?

Ich bin das älteste von zehn Geschwistern und hatte immer Verantwortung für die kleineren. Das ist bei mir zu einem inneren Bedürfnis geworden. Ich habe gesehen, was möglich ist, wenn Kinder geführt und gefördert werden. Daher engagiere ich mich schon lange für das Thema, früher im Kinderschutzbund in Westerstede, später in Wiedenbrück, wo ich 1991 meine eigene Polstermöbelfirma gegründet habe. Seit 2010 bündele ich diese Aktivitäten in einer gemeinnützigen Stiftung.

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Burckhard Kramer gründete 1991 in Rheda-Wiedenbrück die Polstermöbelmarke "Carina" und legte damit den Grundstein für die heutige 3C Holding GmbH mit etwa 1.850 Mitarbeitern und einem Umsatz von knapp 200 Millionen Euro. 2010 gründete er die gemeinnützige Burckhard Kramer Stiftung. Das Stiftungskapital liegt bei 300.000 Euro, die Stiftung beschäftigt 13 Mitarbeiter.

 

Foto: Fräulein Blomberg

Wie sieht Ihre Tätigkeit als Vorstandsvorsitzender der Stiftung aus?

Wir wollen Kinder in besonderen Lebenslagen in Wiedenbrück von der Kita bis zum Eintritt in das Berufsleben begleiten. Dafür arbeite ich aktiv im Stiftungsalltag mit, zum Beispiel haben das Team und ich in den Kindergärten hospitiert, die sich bei uns als Kooperationspartner beworben haben. Die Wahl fiel auf einen AWO-Kindergarten mit besonderer Integrationsherausforderung. Seit 2014 finanzieren wir hier zusätzliche, ganzheitliche Angebote aus den Bereichen Gesundheit, Bewegung, Sprachförderung, Sozialkompetenz und Freizeitgestaltung. Die Herausforderung ist, das Angebot parallel zum Wachstum der Kinder weiterzuentwickeln. Entsprechend arbeiten wir seit 2016 auch mit einer Grundschule. Der nächste Schritt werden die weiterführende Schule und der Start in den Beruf sein.

 

Wie sichern Sie die Finanzierung der Stiftungsarbeit für die Zukunft?

Ich habe zwei Töchter, die weder einzeln noch gemeinsam die Führung der 3C-Gruppe übernehmen werden. Seit ich mich 2007 aus der Geschäftsführung zurückgezogen habe, leiten zwei familienexterne Geschäftsführer das Unternehmen. Ich bin jemand, der alles klar geregelt haben möchte. Daher haben wir eine doppelte Stiftungsstruktur erarbeitet, die die Nachfolge regelt und zugleich die Weiterführung meines Engagements absichert: Dabei erbt die gemeinnützige Stiftung, wo neben mir auch meine Frau im Vorstand sitzt, 99 Prozent der Firmenanteile und 1 Prozent der Stimmrechte. Wirksam wird die Struktur im Fall meines Todes, bis dahin bleibe ich alleiniger Inhaber. Das Geld für die heutige Stiftungsarbeit stellen die 3C-Gruppe, meine Frau und ich gemeinsam zur Verfügung.